Berlin : Gleich nach der Geburt: Ein Elefantenbaby geht baden

Rainer W. During

„Das Dutzend ist voll“, sagt Tierpark-Vizechef Klaus Pohle zufrieden. Am Sonntag kam in Friedrichsfelde das zwölfte Elefantenbaby zur Welt. Allerdings verursachte der kleine Bulle gleich jede Menge Aufregung. Kurz nach der Geburt vor den Augen der Besucher tapste der kleine Dickhäuter ins Badebecken des Freigeheges und schien zu ertrinken. Pfleger zogen ihn an Land.

Die ganze Szene sah offensichtlich gefährlicher aus als sie war. Laut Pohle war das Bad ebenso undramatisch wie der Tritt, den Mutter Pori ihrem Baby unmittelbar nach der Geburt verpasste. Der sei keineswegs als Versuch der Elefantenkuh zu werten, ihren Nachwuchs zu töten, sagte der stellvertretende Direktor gestern. Vielmehr sei es üblich, dass Elefanten ihre Neugeborenen mit dem Rüssel oder den Füßen recht kräftig anschubsen, damit sie nach der Entbindung aufstehen. „Wenn sie das gewollt hätte, hätte sie richtig zugetreten“, sagte Pohle. Vor zwei Jahren hatte Pori ihr Junges nach der Geburt mit dem Kopf erdrückt. „Damals hat sie das in einer völlig ruhigen Situation gemacht“, sagt Pohle. Ob es sich um Absicht oder ein Versehen handelte, habe nie geklärt werden können.

Kurz nach der Geburt am Sonntag also lief das Elefantenbaby auf das nahe Badebecken zu und rutschte ins Wasser. Zunächst konnte Pori es noch mit dem Rüssel zurückzerren. Doch das Neugeborene fühlte sich offensichtlich wohl im Wasser. „Es ist geschwommen, als hätte es nie etwas anderes gemacht“, sagt Claus Pohle. Der Kleine wollte unbedingt auf die andere Beckenseite zu den Zuschauern, wo das Ufer abfällt. Aus Angst, dass ihn die Kräfte verlassen könnten, zogen ihn die Pfleger aus dem Becken.

Das Elefantenhaus ist nun vorerst geschlossen, um der neuen Familie Ruhe zu gönnen. Der Vater ist der 23-jährige Zuchtbulle Tembo. Vorsorglich wurde im Elefantenhaus eine Nachtwache aufgestellt, doch Pori und ihr Baby scheinen sich prächtig zu verstehen. Und auch die vor sechs Jahren geborene Schwester Tana hat das Jungtier akzeptiert.

Für die 26 Jahre alte Pori ist es das dritte Junge. Insgesamt wurden im Tierpark seit 1999 zwölf afrikanische Elefanten geboren. Den Anfang machte Matibi als erstes Elefantenjunges in Berlin nach 61 Jahren. Weil die gegenwärtig neunköpfige Elefantenherde im Tierpark dank der Zuchterfolge beständig wächst, ist Matibi 2006 in den Osnabrücker Zoo umgezogen. Dort befindet sich seit 2003 auch Halbbruder Tutume. Spätestens zu Pfingsten soll der kleine Elefant Besuchern gezeigt werden. Einen Namen hat er noch nicht.

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