Berlin : Gleisdreieck: Eine "heiße Idee" wurde kaltgestellt

Johannes Metzler

Der Traum einer "historischen Bahnhofsrekonstruktion" ist jetzt durch neue Pläne der Bahn ins Wanken geraten, und damit die "heiß geliebte Idee" Günther Gottmanns. Seit er Anfang der 80er Jahre Chef des Deutschen Technikmuseums wurde - damals Museum für Verkehr und Technik -, wollte er die benachbarte alte Ladestraße des Anhalter Güterbahnhofs zur "Museumsstraße" und aus den angrenzenden Flachbauten Ausstellungshallen machen. Teile des Geländes gehören der Bahn. Deren Tochter, die Eisenbahn Immobilien Management (EIM), hat andere Vorstellungen.

Lange wurde um den Ausbau des Technikmuseums gestritten, mittlerweile gibt es zu Gottmanns Idee einen Senatsbeschluss und eine bunte Broschüre. Die "Hauptattraktion" des Museums solle die Ladestraße werden, heißt es darin: Hinter dem Empfangsgebäude werden sich 300 Meter Kopfsteinpflaster erstrecken, flankiert von den Hallen und überdacht mit Glas. Die Straße soll die Abteilung Personennahverkehr beherbergen. Finanziert werden sollten die Umbauten mit Hilfe einer "Public-Private-Partnership": Die Stadt stellt Bauland zur Verfügung, ein Investor baut. In zwei zusätzlichen Stockwerken über den Flachbauten könnte dann etwa ein Hotel unterkommen, das Museum dürfte das Erdgeschoss kostenlos nutzen.

Doch seit Gottmann in Pension gegangen ist, wird an den Plänen gerüttelt - in einigen Planskizzen der EIM, die in der vergangenen Woche offiziell vorgestellt wurden, ist die Ladestraße sogar ganz verschwunden. Die dazugehörigen Lagerhallen sollen abgerissen werden. "Städtebaulich problematisch" seien die 300 Meter langen Hallen, urteilt man beim beauftragten Planungsbüro AS&P. Eine vom Gesamtzusammenhang des Gleisdreiecks losgelöste Planung sei nicht sinnvoll. Stattdessen sieht einer der EIM-Vorschläge eine lockere Bebauung aus Gewerbe und Wohnungen vor. Eine andere Variante zeigt an Stelle der Straße einen viereckigen Block als Neubau des Technikmuseums. Der aber, sagt der stellvertretende Museumsdirektor Dirk Böndel, müsse mehrere Stockwerke hoch sein, um die benötigten 20 000 neuen Quadratmeter Ausstellungsfläche bieten zu können. Dies sei auch baustatisch nicht machbar: "Wir zeigen einige Tonnen schwere Ausstellungsstücke wie eine Dampfwalze oder eine Straßenbahn."

Verzichten könne das erfolgreiche Museum, das täglich über tausend Besucher verzeichnet, auf die neuen Flächen keinesfalls. Zehn Abteilungen, deren Ausstellungsstücke in mehreren Hallen im Stadtgebiet ungenutzt verstauben, haben trotz eines ersten Neubaus, der voraussichtlich im Januar des kommenden Jahres fertiggestellt und unter anderem die Abteilung Schifffahrt aufnehmen wird, noch keine Bleibe. Teilweise gehören sie zu Sammlungen aus Museen, die den Zweiten Weltkrieg nicht überdauert haben. Die Miete für die Hallen beläuft sich nach Angaben des Museums auf jährlich 2,5 Millionen Mark.

Heute abend wird erneut über die Planungen für das Gleisdreieck gestritten: Dann tagt der vom Bezirk einberufene Runde Tisch.

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