Berlin : Glückliche Wendung

Das ZDF lässt fürs „Wunder von Berlin“ die Mauer bauen – und wieder fallen Die Filmleute wurden zu Experten für die Ereignisse an der Grenze

Nana Heymann

Ausgerechnet der Weltuntergangsbeschwörer Nick Cave versöhnte Tilo Koch mit dem imperialistischen Klassenfeind. Als ihm seine Freundin von ihrem Begrüßungsgeld eine Platte des australischen Sängers kaufte, fand auch er sich mit dem Ende der DDR ab. Noch kurz zuvor, am 9. November 1989, hatte er als Soldat an einem Berliner Grenzübergang versucht, den Sozialismus gegen die aufgebrachten Massen zu verteidigen, „das Chaos zu verwalten“, wie er heute sagt. Es half nichts.

Angelehnt an Tilo Kochs Biografie entsteht derzeit ein ZDF-Film über den Mauerfall. „Das Wunder von Berlin“ heißt er, so lautet zumindest der Arbeitstitel. Ausgestrahlt werden soll er voraussichtlich im Herbst 2008. Für das Werk ließ die Produktionsfirma Teamworx kürzlich an der Swinemünder Brücke in Wedding ein Stück Mauer nachbauen, 65 Meter lang und aus Sperrholz. Ansonsten wird unter anderem in Friedrichshain gedreht. Oder im alten Polizeipräsidium an der Otto-Braun-Straße in Mitte. Dort zeigten Regisseur Roland Suso Richter und sein Team gestern erste Ausschnitte.

Protagonist Tilo Koch, der im Film Marco Kaiser heißt, wird von Nachwuchsschauspieler Kostja Ullmann gespielt. Die Rolle seiner Freundin, die ihm damals besagte Cave-Platte kaufte und mit der er inzwischen verheiratet ist und Kinder hat, wird von Karoline Herfurth übernommen. Weitere prominente Darsteller sind Veronica Ferres, Michael Gwisdek und Heino Ferch.

„Das Wunder von Berlin“, der noch bis Ende des Monats gedreht wird, ist für alle Beteiligten eine emotionale Zeitreise. Veronica Ferres, die in dem Film die Mutter des Protagonisten spielt, verbindet mit der DDR teils unangenehme Erinnerungen. In den 80ern wollte sie einen Tagesausflug nach Ost-Berlin unternehmen. Doch weil sie bei der Ausweis-Kontrolle am Grenzübergang ein Brötchen aß, endete der Ausflug in einem Verhörraum. Neun Stunden lang musste sie sich für ihr „respektloses Verhalten“ rechtfertigen.

Kollege Heino Ferch, der Familie im Osten hatte, war beim Mauerfall nicht in Berlin – obwohl er zu der Zeit Ensemblemitglied der Freien Volksbühne war. „Ich war erst am Tag darauf in der Stadt und habe die Euphorie und unglaublichen Szenen unmittelbar gesehen.“ Im Film spielt er den Vater des Protagonisten, einen überzeugten Stasi-Offizier. Mit Toupet und dickem Brillengestell à la Erich Honecker ist er fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt.

Produzent Nico Hofmann, Chef von Teamworx, avanciert mit „Das Wunder von Berlin“ endgültig zum Mauer-Spezialisten. 2001 brachte er den Zweiteiler „Der Tunnel“ ins Fernsehen, Heino Ferch spielte darin einen Republikflüchtling. Im vergangenen Jahr arbeiteten sie auch für „Die Mauer – Berlin 61“ zusammen. Nur für Veronica Ferres ist das aktuelle Projekt eine Premiere, was ihr Zusammenspiel mit Ferch betrifft: „Wir waren noch nie ein Paar.“ Am Ende sind somit alle zufriedengestellt.

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