Berlin : Glückssache Gepäck

Der Flughafen Tegel hat zwar einen neuen Terminal, doch viele Passagiere müssen auf ihr Gepäck warten

Klaus Kurpjuweit

Die Berliner Flughäfen expandieren – der Service aber wächst nicht mit. Glückssache scheint es derzeit oft zu sein, ob bei den abgehenden Flügen auch das Gepäck mitkommt. Besondere Probleme gibt es im erst in der vergangenen Woche eröffneten neuen Terminal C in Tegel, der vorwiegend von Air Berlin genutzt wird. Über Pfingsten blieben gleich hunderte von Koffern hängen. Und wer in Berlin ankommt, muss nicht selten extrem lang auf die Ausgabe der Taschen und Koffer warten – vor allem außerhalb der Hauptverkehrszeit. Schuld daran will niemand sein.

Für das Gepäck ist das Unternehmen Globe Ground zuständig, das zu 51 Prozent der Flughafengesellschaft und zu 49 Prozent der Lufthansa gehört. Für den Betrieb im neuen Terminal habe man über 100 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, sagte eine Sprecherin. Die erforderliche Sicherheitsüberprüfung bei der Luftfahrtbehörde dauere jedoch zehn bis zwölf Wochen. Weil die noch nicht Überprüften nicht in den Sicherheitsbereich dürfen, fehle dort jetzt Personal.

Über Pfingsten fielen die Gepäckbänder im Terminal C mindestens zweimal aus, weil die Koffer und Taschen sich auf den Bändern stapelten und die Anlage sich deshalb ausschaltete. So blieb das Gepäck zurück, als die Passagiere abflogen. Allerdings habe es auch keinen Techniker der Flughafengesellschaft gegeben, der das Band schnell wieder zum Laufen hätte bringen können, sagen Insider. Von der Flughafengesellschaft war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten.

Dafür wies die Luftfahrtbehörde den Vorwurf zurück, die Sicherheitsüberprüfung des Personals dauere zu lange. Die Prozedur sei in der Regel in vier Wochen abgeschlossen, sagte eine Sprecherin. Beschäftigte, die ihre Erlaubnis zum Betreten des Sicherheitsbereichs jährlich erneuern lassen müssen, bestätigten allerdings Wartezeiten von einem viertel Jahr.

Probleme hat Globe Ground dem Vernehmen nach aber auch intern. Weil das in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckende Unternehmen den Mitarbeitern Löhne gekürzt hat, gab es nicht nur Warnstreiks. Auch die Motivation habe stark gelitten, sagen Insider. Die Folge: Die Arbeitsqualität leide. Auch der Krankenstand habe stark zugenommen, so dass häufig zu viel Personal fehle. Von der Globe-Ground-Geschäftsführung gab es dazu keine Stellungnahme.

Dass es an den Bändern zum Verladen des Gepäcks oft zu wenig Personal gibt, haben Passagiere auch schon in der Vergangenheit erleben müssen. In Schönefeld war es schon zu Wartezeiten von mehr als einer Stunde gekommen. Auch in Tegel gab es in den vergangenen Monaten mehrfach Beschwerden über lange Wartezeiten bei der Gepäckausgabe. Bei den Deutschen Meisterschaften der Schwimmer hatten zwei Sportler deshalb sogar den Wettkampf verpasst. Klaus Kurpjuweit

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