Berlin : Gnadengesuch für den Palast

Akademie der Künste fragte Experten: Die meisten sind gegen sofortigen Abriss

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Nun hat das Bündnis für den Palast der Republik in seinem Bemühen, den für Januar geplanten Abriss-Beginn zu verhindern, schon die Höhen der Akademie der Künste erreicht. Gestern berichtete Akademie-Vizepräsident Matthias Flügge von den Ergebnissen einer aktuellen Umfrage unter den Mitgliedern der Expertenkommission Historische Mitte. Die hatten sich vor Jahren für den Bau eines „Humboldt-Forums“ in der Kubatur des Schlosses ausgesprochen. Dies führte zum entsprechenden Bundestagsbeschluss 2002.

Nun aber hat eine Machbarkeitsstudie ganz andere Kosten und Nutzflächen für das neue Gebäude ergeben, als damals dem Parlamentsbeschluuss zugrunde lagen. „Und die Diskussion um eine weitere Zwischennutzung des Palastes bis zur Errichtung des Humboldt-Forums erlangte in den letzten Tagen eine große Dynamik“, sagte Flügge. Deshalb habe sich die Akademie der Sache angenommen und 16 Mitglieder der damaligen Kommission gefragt, ob der Palast abgerissen oder vorerst weiter genutzt werden soll. Neun haben bis gestern geantwortet, acht von ihnen sprechen sich für die weitere kulturelle Nutzung des Gebäudes aus. Der Publizist Friedrich Dieckmann sagt: „Der Palast ist nicht die Zukunft, aber er ist die Gegenwart“. Unternehmensberater Roland Berger hält es für sinnvoll, das Haus weiterhin kulturell zu nutzen, „statt es jetzt abzureißen und bis zum ungewissen Baubeginn auf dem Schlossareal eine Grünfläche anzulegen.“ Der Architekt und SPD- Politiker Peter Conradi bittet die Akademie, sich nachdrücklich für eine Zwischennutzung einzusetzen, bis die bauliche Zukunft des Areals planerisch, terminlich und finanziell gesichert ist. Der frühere Staatssekretär Peter Klemm dagegen bezeichnet den jetzigen Zustand als Schandfleck, eine kulturelle Zwischennutzung sei „ nur ein Vorwand, um eine Gewöhnungssituation zu schaffen“.

Das Bündnis für den Palast will sich noch intensiver für ein Abrissmoratorium einsetzen und den Bundestagsabgeordneten die komplette Machbarkeitsstudie zusenden. Am Sonnabend soll wieder „Stopptag“ mit verschiedenen Aktionen sein. Heute bekommt Bausenatorin Ingeborg Junge- Reyer 10 000 Unterschriften für die Rettung des Palastes. Lo.

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