Berlin : Graffiti-Vandalimus: Mehr Schmierereien in der S-Bahn

kt/kög

Während Graffiti-Vandalimus bei der S-Bahn in den vergangenen Wochen zugenommen hat, mussten in diesem Jahr an öffentlichen Gebäuden weniger Schmiereien entfernt werden. So haben der Bund 1997 noch 3,2 Millionen Mark und Berlin 5,8 Millionen Mark für die Säuberung ausgegeben, 2000 sind es noch 0,8 und 1,7 Millionen Mark. Vor drei Jahren mussten 120 000 Quadratmeter Fläche gereinigt werden, jetzt waren es 25 000 Quadratmeter. Die BVG sagte dazu, man müsse nach wie vor rund 16 Millionen Mark pro Jahr für die Reparatur zerkratzter Scheiben, aufgeschlitzter Sitze und besprühter Wagen ausgeben.

Anders die Erfahrungen der S-Bahn. Die Schmierereien an Fahrzeugen und Anlagen haben dort um die Weihnachtstage zugenommen, nachdem sie zuvor erheblich zurückgegangen waren. Die Sicherheitsbeauftragte der S-Bahn, Ellen Karau, befürchtet auch Silvester wieder Auswüchse. Bei der S-Bahn hegt man sogar den Verdacht, dass Schmierer einen Zug zum Entgleisen brachten, den sie besprühen wollten. Die Betonplatten hätten den Zug nur zum Stoppen zwingen sollen, um ihn dann zu beschmieren, vermutet S-Bahn-Sprecher Andreas Fuhrmann. Die Bahn mit Fahrgästen entgleiste dann aber. Karau kritisierte, dass ertappte Täter vor Gericht viel Verständnis fänden. Von 1994 bis 2000 wurden nach Angaben der Justizverwaltung 12 796 Verfahren eingegangen, 422 gegen bekannte Täter wurden erledigt - mehr als die Hälfte durch Einmstellung. Der Graffiti-Beauftragte des Landes, Rolf Schumann, sagte im Sender "Radio FAZ 93,6 Berlin" hingegen, Graffiti komme offenbar aus der Mode. Kripo-Inspektionsleiter Frank Worm sagte zum Hintergrund der gesunkenen Kosten, oft seien Züge und Wände spezialbeschichtet, weshalb die Reinigung nicht mehr so teuer sei. Die 33 Mitarbeiter der Ermittlungsgruppe von Polizei und BGS habe zunehmend mit "Scratching" zu tun, dem Zerkratzen von Scheiben.

Eine Bundesratsinitiative Berlins, wonach jede Art von Schmiererei als Sachbeschädigung bewertet wird, war im März im Bundestag gescheitert.

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