Grimnitzer Glashütte : Das Glas der frühen Jahre

Auf Burg Grimnitz hält ein Verein die Tradition der Glasbläserei am Leben – und lädt in dieser Woche zu Schau.

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Vorsicht, heiß und flüssig! Bei den Grimnitzer Glastagen führen Glasbläser in dieser Woche ihre feurige Kunst vor.
Vorsicht, heiß und flüssig! Bei den Grimnitzer Glastagen führen Glasbläser in dieser Woche ihre feurige Kunst vor.Foto: Promo

Von der Burg Grimnitz, auf einem Sandhügel nahe dem Grimnitzsee im Landkreis Barnim gelegen, im Joachimsthaler Ortsteil Grimnitz, ist nicht viel übrig geblieben. Einige unzugängliche Kellergewölbe, ein paar Mauerreste, gerade noch erkennbare Umrisse der Befestigung – das ist schon fast alles. Eine alte Grenzburg der Askanier, im 13. Jahrhundert angelegt und auch ins Visier Fontanes geraten: Der berichtet von dem mehr sagenhaften Tod des Kanzlers Nikolaus von Buch, den Markgraf Waldemar 1314 wegen Nichtbefolgen eines Auftrags angeblich im Burgverlies einmauern und verhungern ließ. Auch soll laut Fontane im Winter 1549 die Decke zwischen Erdgeschoss und erstem Stock durchgebrochen sein, woraufhin mehrere Personen in die Tiefe stürzten, darunter die zweite Frau des Kurfürsten Joachim II., die sich dabei an einem Hirschgeweih aufspießte und hinfort invalide war. Kulturhistorisch alles nicht sonderlich folgenreich, wäre nicht Leonhard von Thurneysser gewesen, seit 1571 Günstling des Kurfürsten Johann Georg, halb Gelehrter, halb Alchimist – und Gründer der Glashütte Grimnitz, der ersten im Lande Brandenburg.
Sicher wäre es seinem Fürsten lieber gewesen, Thurneysser hätte gleich Gold gemacht, aber Glas war aus wirtschaftlicher Sicht auch nicht schlecht. Die Grimnitzer Glasbläserei wurde bis 1792 mehrfach verlagert, ist aber an ihren Ursprung zurückgekehrt: Vor 16 Jahren gründete sich der Förderverein „Grimnitzer Glashütten – Kultur- und Kommunikationsforum Schorfheide“, konnte drei Jahre später die Burgruine erwerben, kümmert sich seither um sie und pflegt vor allem die Tradition der Grimnitzer Glasbläserei.

Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.
Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.Foto: Promo

In dieser Woche, von Dienstag bis Sonntag, finden dort die bereits 9. Glastage statt. Täglich zwischen 11 und 17 Uhr wird die auf dem Burgareal gelegene Werkstatt des Vereins als Schauglashütte fürs Publikum geöffnet, während Glaskünstler mit ihrer Glasbläserpfeife am Schmelzofen und Brenner Schalen, Vasen, Gläser und Krüge herstellen. Auch können die Besucher einer Perlenmacherin bei der Arbeit zusehen. Am Freitag beginnt ab 19 Uhr eine Glasnacht: Bei einbrechender Dunkelheit wird am Ofen gearbeitet, es gibt Essen und Getränke (Eintritt 10 Euro).
Erstmals war die Burg 1297 erwähnt worden. Markgrafen und Kurfürsten tummelten sich hier, unter dem 1571 frischgekürten Kurfürsten Johann Georg wurde sie gar zum Schloss umgebaut, brannte ab, wurde erneut hochgezogen, war Ort großer Feste, Turniere und Jagden auf Bären, Wölfe und mehr.
Das kurfürstliche Wohlwollen hatte sich der aus Basel stammende Thurneysser durch die Heilung der kränklichen Frau des Landesherren erworben. Der ernannte ihn zum Leibarzt und holte ihn nach Berlin, wo er ihn in dem säkularisierten Franziskanerkloster unterbrachte, dem heute nur noch als Kriegsruine existenten Grauen Kloster in Mitte. Thurneysser richtete sich dort Wohnung, Bibliothek, Laboratorien ein, wurde bald zum angesehenen, wohlhabenden Mann.
Bis 1584 hielt er sich oft auch auf Burg Grimnitz auf. „Die chymischen Gläser und Gefäße wurden zu Grimnitz nach seiner Erfindung und Angabe gemacht; er gab die Zeichnung, und wenn sich der Hof daselbst aufhielt, so übernahm er die Aufsicht über die Glashütte, welche weißeres und besseres Glas lieferte als vorher“ – so hieß es in einer frühen Quelle. Thurneysser wird sogar die Erfindung einer Urform der Schneekugel zugesprochen – eine mit Wasser gefüllte Glaskugel mit darin schwimmenden Vögeln. Schon glaubwürdiger ist die Information aus einem Buch von 1783, wonach er ein Gebilde aus zwei ineinandergefügten Glaskugeln entworfen haben soll, die innere ein gläserner Vogelbauer mit Piepmatz, die äußere gefüllt mit Wasser und gläsernen Fischen, für die Zeitgenossen pure Zauberei. Aber das war nur Spielerei, anders als die in Grimnitz und den späteren Standorten produzierten Artikel: Tafelglas, Flaschen, Apothekenfläschchen, Ampullen, Schröpf-, Vorratsgläser, aber auch Butzenscheiben. Insgesamt keine Zauberei, sondern gediegenes Handwerk.


Die Grimnitzer Burgruine liegt in Joachimsthal, Grimnitzer Straße 11a. Mehr Infos unter www.glashuettegrimnitz.de.

Auch die Berliner Pfaueninsel spielte in der Geschichte der Berlin-Brandenburgischen Glasherstellung eine wichtige Rolle. Von 1685 bis 1689 betrieb hier der Alchimist Johannes Kunckel ein Glaslaboratorium. Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, hatte ihn aus Sachsen nach Potsdam geholt, wo Kunckel sich bei der dortigen Glashütte so verdient machte, dass der Landesherr ihm gleich die ganze Insel schenkte. Kunckel, der sein Wissen in dem Buch „Ars Vitraria Experimentalis, oder Vollkommene Glasmacherkunst“ festhielt, war besonders bei der Herstellung von Rubinglas erfolgreich. Ein Gedenkstein am Ostufer und seit Kurzem auch eine kleine Kabinettausstellung in der Meierei erinnern auf der Pfaueninsel an den Gelehrten.

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