Grippewelle : Erkältungen breiten sich rasant aus

Die Grippewelle breitet sich aus. In den kommenden Wochen rechnen die Experten mit einem Ansturm auf ihre die Praxen der Berliner Ärzte.

Udo Badelt

Berlin Klirrende Kälte, vereiste Straßen, vermummte Menschen – und jede Menge Taschentücher. In vollen Bussen und Bahnen, aber auch in geheizten Büros verbreiten sich Erkältungen iderzeit rasant. Nach einer Umfrage des Tagesspiegels bei Haus- und Hals-Nasen-Ohren-Ärzten werden viele Praxen derzeit „überrannt“ von Patienten mit grippalen Virusinfekten. Husten, Schnupfen, Halsschmerzen haben Hochkonkunktur, wobei diese Erkrankungen derzeit offenbar besonders heftig und langfristig verlaufenund sich nach einer ersten Besserung ungewöhnlich häufig wieder verstärken. Doch es könnte noch schlimmer kommen. Die Grippe nimmt Europa in den Griff.

In Portugal sind innerhalb weniger Tage fast 100 000 Menschen an der Grippe erkrankt, in Spanien, in Italien und England geht die Grippe gleichfalls um. „Auch in Berlin bewegt sich was“, sagt Susanne Glasmacher vom Robert Koch Institut (RKI). Laut Statistik traten Ende des vergangenen Jahres jeweils zehn Fälle pro Woche auf, Tendenz steigend. Aktuelle Daten für die erste Woche 2009 liegen noch nicht vor, da viele Praxen über die Feiertage geschlossen hatten, über weitere Fälle wird aber berichtet. Das RKI schätzt aber die Chancen, dass die Grippewelle Berlin ungewöhnlich stark erfassen wird, als gering ein.

„So eine Welle kann von einem Land ins nächste schwappen“, sagt Susanne Glasmacher. Die Grippe tritt meistens kurz nach dem Jahreswechsel an verschiedenen Orten gleichzeitig auf. In Deutschland liegt der Schwerpunkt im Moment im Ruhrgebiet.

In den nächsten Wochen ist erfahrungsgemäß mit einem Anstieg der Erkrankungen zu rechnen. In der Grippesaison 2006/07 gab es bei den akuten respiratorischen Infektionen, die Rachen und Lunge betreffen und auch die echte Grippe miteinschließen, um die zehnte Kalenderwoche einen kräftigen Ausschlag nach oben. Sicher ist das allerdings nie. Ein Jahr später fiel die Kurve um diese Zeit viel schwächer aus.

Warum sich die Grippe immer in der gleichen Jahreszeit ausbreitet, ist laut Susanne Glasmacher nicht bis ins Letzte erforscht. „Es hat sicher damit zu tun, dass es kalt wird – auf der Südhalbkugel tritt die Grippe vor allem im Juli auf. Bei Kälte sind die Viren stabiler, durch das fehlende UV-Licht wird die Immunabwehr des Menschen geschwächt.“

Mediziner empfehlen die Grippe-Impfung im Oktober oder November – und zwar jedes Jahr. Denn der Impfstoff wird in jeder Saison dem jeweils dominanten Typ des Virus angepasst. Die Forscher können inzwischen voraussagen, welcher der drei Influenza-Typen zu erwarten ist. Laut Thomas Georgi, Allgemeinmediziner in Prenzlauer Berg, war die Impfbereitschaft im vergangenen Herbst unter seinen Patienten sehr groß.

Wer sich jetzt noch impfen lassen will, ist noch nicht zu spät dran. Zwar braucht der Impfstoff zwei Wochen, um zu wirken, und eine Ansteckung wird er jetzt nicht mehr verhindern können. Aber die Erkrankung wird bei einer späten Impfung deutlich schwächer verlaufen als ohne Impfschutz. Vor allem chronisch Kranke und über 60-Jährige sollten sich daher impfen lassen. Nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin ist genügend Impfstoff vorhanden. Vor zwei Jahren kam es vor übergehend zu Engpässen. Dieses Jahr ist Berlin gut gerüstet.

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