Berlin : Größerer Absatzmarkt

Mit „The Loft“ setzt das KaDeWe auf ein neues Konzept für die dritte Etage. Für das Haus ist es eine Zäsur.

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Blaue Stunde. KaDWe-Chefin Vierkötter ließ die 6000 Quadratmeter große Etage erneuern. Foto: Thilo Rückeis
Blaue Stunde. KaDWe-Chefin Vierkötter ließ die 6000 Quadratmeter große Etage erneuern. Foto: Thilo Rückeis

Den Test können auch Männer machen. Einfach mal im KaDeWe die große Rolltreppe nehmen Richtung dritter Stock. Und dann nachvollziehen, wie es sich für so manche Frauen anfühlt, ins Paradies zu schweben. Schuhe, so weit das Auge reicht. Schuhe mit Sternen und Nieten und Blüten, Schuhe mit 12,5 cm hohen Stilettos oder fast so hohen Keilabsätzen, Stiefel und Sneakers und Ballerinas von Jimmy Choo bis Doc Martens.

„The Loft“ heißt diese Neuerfindung. Das ist eine Etage voll mit Schuhen, Accessoires wie Schals und Handtaschen und Wäsche. Unter der Leitung von Ursula Vierkötter ist das Kaufhaus weiblicher geworden. Auf 6000 Quadratmetern findet sich, was an Accessoires gerade angesagt ist und vielleicht nicht unbedingt benötigt wird, aber so mancher unbedingt haben möchte.

Allein der „Schuhsalon“ hat eine Größe von 2000 Quadratmetern, teilte das KaDeWe mit. Über die Investitionshöhe wollte das Kaufhaus keine Angaben machen. Das Haus hat 60 000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Am späten Dienstagabend wurde am Wittenbergplatz die neue Abteilung feierlich eröffnet, mit Buffet, Jazz-Musik, DJs – und 1300 geladenen Gästen, darunter der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sowie die Schauspielerinnen Meret Becker, Marie Bäumer, Anja Kling und Lisa Martinek, Model Poppy Delevigne und auch Sängerin Jasmin Wagner.

„Unsere wichtigste Aufgabe ist es, unsere Kunden durch die Inszenierung und Präsentation unserer Produkte zu verführen“, sagt Ursula Vierkötter ihren 2000 Mitarbeitern immer wieder. Und hier macht die Frau, die selbst aussieht wie ein Model und die seit 2009 die Chefin ist im KaDeWe, mal so richtig vor, wie Verführung geht.

Auf scheinbar schwebenden Regalen kann man sich Kreationen von Rachel Zoe anschauen, die als Stylistin Ruhm erlangt hat. Zwischen den Schuhen gibt es Sofas im Retrolook für Männer, die ein Nickerchen machen oder die Schuhe der Partnerin begutachten möchten. Mit Deckensegeln, gold schimmernden Spiegeln und originellen Tischen wird das Thema Tradition aufgegriffen, das den Kunden laut Umfragen besonders wichtig ist im 1907 gegründeten KaDeWe.

Ein weiter Teil des Lofts ist den Taschen gewidmet. Auch von denen, so empfinden es jedenfalls viele Frauen, kann man nie genug haben. An Exemplare von Kate Spade, Victoria Beckham oder Anya Hindmarch war bislang nur auf Reisen heranzukommen. Das war für Vierkötter, die selbst weltweit unterwegs ist auf der Suche nach Trends, ein Grund für die Veränderung: „Berlin ist eine Metropole, die sich rasant verändert und damit auch die Menschen, die hier leben. Berlin und die Berliner sind internationaler geworden.“ Deshalb sei diese Zäsur einfach auch nötig. „Jetzt spielen wir mit in der obersten Liga internationaler Department Stores.“ Und sie will noch höher hinaus. „Wir bauen das KaDeWe immer weiter zu einer internationalen Marke aus.“ Schon jetzt sind 40 Prozent der Kunden Ausländer.

Veränderungen gab es auch im Erdgeschoss. Unter dem Motto „The New Luxury“ hat Vierkötter den Boulevard um Boutiquen von Marken wie „Céline“ oder „Vertu“ ergänzt. Andere wie Louis Vuitton, Miu Miu oder Dior haben sich vergrößert. Kaum merklich für die Kunden wurden in den vergangenen Wochen rund 80 Stände der Beauty-Abteilung erneuert und vergrößert.

Freunde ausgefallener Düfte können unter einem imitierten Sternenhimmel fündig werden. Da gibt es zum Beispiel Parfums der Japanerin Keiko Mecheri oder Düfte des britischen Hoflieferanten Clive Christian, bei dem 50 Milliliter schon mal so viel wie eine Monatsmiete kosten können.

In den Schaufenstern dominieren die Accessoires mit weißen Handtaschen und Schuhen. Von einem Poster lächelt Top-Model Julia Stegner, die auch in der nationalen Kampagne für die Neuerungen steht. Schließlich sollen Hamburger und Münchener ebenfalls verschärft Lust aufs Shopping im KaDeWe bekommen.

Nur die Herrenabteilung ist geblieben, wie sie war. Da Männer konservative Einkäufer sind, werden sie das zu schätzen wissen. Die erste Etage gehört ihnen, und da finden sie alles, was sie brauchen. Dauert nicht lange und tut auch gar nicht weh. (mit AG)

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