Berlin : Große Ehre für eine gute Idee

Gründerin der Berliner Tafel erhält das Bundesverdienstkreuz

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Fünf Tomaten in der Kiste haben leichte Druckstellen, der Rest ist okay. Trotzdem haben sie auf dem Fruchthof keine Chance; einen Abnehmer zu finden. Die Verbraucher sind verwöhnt, den Firmen ist das Aussortieren zu teuer. Anderswo in der Stadt knurrt Obdachlosen der Magen, werden Kinder aus sozial schwachen Familien ohne Frühstück zur Schule geschickt. Dafür, dass die Tomaten nicht einfach weggeworfen werden, sorgen Initiatorin Sabine Werth und die etwa 200 Ehrenamtlichen der Berliner Tafel. Dafür gibt es jetzt eine große Anerkennung: Zehn Jahre nach Gründung der Initiative erhält Sabine Werth das Bundesverdienstkreuz für ihr Lebenswerk.

Ihre Mitarbeiter fahren auch abends bei Bäckereien vorbei und laden Brot und Kuchen ein, die am nächsten Tag ein bisschen angetrocknet keine Chance mehr hätten bei den anspruchsvollen Kunden. Auch bei „Pomp Duck and Circumstance“ fahren die Wagen der Tafel vor. Für die Gäste des DinnerTheaters werden nur die makellosen Entenbrüste verarbeitet. Über den Rest der Enten freuen sich Bedürftige.

Vor zehn Jahren gab die damalige Sozialsenatorin Ingrid Stahmer die Initialzündung mit einem Vortrag über Obdachlose. Ein Mitglied der „Initiativgruppe Berliner Frauen“ hatte von der New Yorker Aktion „City Harvest“ gehört. Nach diesem Vorbild startete die Tafelinitiative, die heute als größte soziale Bewegung der Neunzigerjahre gilt. Von Berlin aus breitete sich die Idee, ungewollte Lebensmittel an Bedürftige weiterzuleiten in andere Städte aus. Inzwischen verteilen rund 20 000 ehrenamtliche Helfer um die 62 000 Tonnen Lebensmittel jährlich. Etwa 40 Prozent der Helfer sind Männer. „Kantinen und Großmärkte sind ebenfalls wichtige Lieferanten“, sagt Sabine Werth, die ehrenamtliche Vorsitzende. Hauptberuflich ist sie Familienpflegerin, und beide Jobs kosten etwa 60 bis 80 Arbeitsstunden pro Woche. Große Sorgen bereitet ihr die finanzielle Situation. Sie hofft auf viele neue Mitglieder und mehr Spenden, um wie bisher weiterarbeiten zu können. Bi

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