Großflughafen BBI : Länderchefs gegen neue Flugrouten

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck lehnen die geplante BBI-Linienführung ab - zuviel Fluglärm in Berlins Süden. Am Freitag forderten die Länderchefs eine schnelle, verbindliche Regelung.

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Klaus Wowereit (l) und Matthias Platzeck (beide SPD) sitzen am Freitag auf einer Pressekonferenz des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld.
Klaus Wowereit (l) und Matthias Platzeck (beide SPD) sitzen am Freitag auf einer Pressekonferenz des Hauptstadtflughafens Berlin...Foto: dpa

Über die umstrittenen An- und Abflugrouten am künftigen Großflughafen in Schönefeld ist noch nicht das letzte Wort gesprochen worden. Darauf verwiesen Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) nach einem Treffen am Freitag am Rande der Großbaustelle. Beide drängen auf eine Änderung der vor zehn Tagen von der Deutschen Flugsicherung (DFS) vorgeschlagenen Linienführung. Diese unterscheiden sich erheblich von den bisherigen Planungen, sodass jetzt in den südlichen Berliner Stadtteilen sowie vor allem im südlichen Berliner Umland mehrere Zehntausend Menschen zusätzlich von Fluglärm belastet würden. Andere Gebiete, in denen die Berliner Flughafengesellschaft bislang mehrere Millionen Euro für Schallschutzmaßnahmen bezahlt hatte, würden dagegen kaum noch überflogen werden. Dazu zählen Orte wie Blankenfelde-Mahlow und Diedersdorf, in denen am heftigsten gegen die Flughafenpläne protestiert worden war.

Der erste Entwurf der Flugsicherung mache „eine zu große Spreizung“ auf, wodurch mehr Menschen von Lärm betroffen wären als geplant, sagte Wowereit. Man werde selbstverständlich seine Stimme erheben und deutlich machen, dass eine schonende Lösung gefunden werden müsse. Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck mahnte einen zügigeren Verlauf des Verfahrens an, „um lange Ungewissheit zu vermeiden“.

Wie berichtet, hatte die Deutsche Flugsicherung am 6. September An- und Abflugrouten vorgestellt, die sich erheblich von den im Planfeststellungsbescheid für den Großflughafen aus dem Jahre 2004 genannten Flugwegen unterscheiden. Die DSF begründete die Änderung mit internationalen Sicherheitsregelungen. Demnach dürfen bei parallel verlaufenden Start- und Landebahnen die Flugzeuge nicht geradlinig abfliegen, sondern müssen unmittelbar nach dem Abheben in einem 15-Grad-Winkel nach Norden oder Süden abknicken. So solle ein möglicher Zusammenstoß von Maschinen verhindert werden.

Nach Auskunft des Bundesverkehrsministeriums und des Brandenburger Infrastrukturministeriums sind die im Planfeststellungsbeschluss enthaltenen Flugrouten nicht verbindlich. Die Entscheidung obliege der Flugsicherung, teilten die jeweiligen Ministeriumssprecher mit. Die muss ihre konkreten Routen mindestens ein Vierteljahr vor der Inbetriebnahme des Airports festlegen, also erst im Jahre 2012.

Besonders in den nun möglicherweise unter Flugschneisen geratenen Orten östlich und westlich des Flughafens regt sich erheblicher Protest. So haben sich mehrere Städte und Gemeinden rund um Königs Wusterhausen zu einer „B-8-Initiative“ zusammengeschlossen, die die Beibehaltung der bisherigen Routen verlangt. Nach Angaben des Bürgermeisters von Königs Wusterhausen könnten allein im Südosten rund 100 000 Menschen zusätzlich dem Fluglärm ausgesetzt werden. „Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft muss der DFS zeitliche Vorgaben zur Festlegung der Routen machen“, heißt es in einem Schreiben an Platzeck, der auch im Aufsichtsrat sitzt.

Auch westlich des Flughafens formiert sich der Protest. „In den letzten Jahren sind viele Berliner gerade wegen der Ruhe zu uns gezogen“, sagte Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers. „Nun werden sie hier bitter enttäuscht. Ich bin entsetzt darüber, dass wir als betroffene Kommune über derart weitreichende verändernde Verhältnisse nicht informiert wurden.“ Nach seinen Angaben wären auf der Achse Stahnsdorf-Teltow-Kleinmachnow rund 55 000 Einwohner von Fluglärm bedroht.

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