Berlin : Großkino-Neubau an der Kantstraße gestoppt - Chancen für Traditionshäuser

oew

Das geplante Multiplex-Kino zwischen Theater des Westens und Bahnhof Zoo wird nicht mehr gebaut. Baustadträtin Beate Profé (Grüne) bestätigte das Scheitern. Der Investor habe kein Interesse mehr an dem Standort. Branchenintern war ohnehin kaum mit dem Bau des geplanten Großkinos gerechnet worden. Zu hoch waren die Baupreise und möglichen Mietkosten, zu zurückhaltend gingen die Berliner in den letzten Jahren in die neuen Multiplexkinos. Geplant war ein Kino mit zehn Sälen und 3400 Sitzplätzen, also eines der größten Kinos. Zum Vergleich: Das Cinemaxx am Potsdamer Platz hat 3500 Sitzplätze in 19 Sälen - die meisten Leinwände unter einem Dach in Deutschland.

Das Scheitern des Kinos an der Kantstraße könnte nun aber den Bestand der Traditionskinos in der westlichen City sichern helfen. Bei einem Bau wäre der nahe gelegene Zoo-Palast ebenso unter Druck geraten wie der Royal-Palast im Europa-Center, die beide die typische Multiplex-Programmpalette spielen: die aktuellen und größten Kassenknüller. Als Betreiber für das Kino an der Kantstraße war eine Firmengruppe genannt worden, die bislang in Berlin nicht vertreten ist. Was nun anstelle des Kinos auf dem öden Parkplatz am Bahnhof Zoo gebaut wird, ist noch nicht klar.

Die Kinos zwischen Kurfürstendamm und Wittenbergplatz haben in den vergangenen Jahren am stärksten unter dem Umbruch in der Kinolandschaft der Stadt gelitten. Zum Teil mussten sie erhebliche Besucherrückgänge und Umsatzeinbrüche verkraften. Auf der Strecke blieben traditionelle Kinos wie das Olympia, die Lupe und das Gloria. Zuletzt gingen in den sieben Sälen der Filmbühne Wien nach 87 Jahren die Lichter aus.

Nach wie vor sind weitere Multiplex-Kinos in Berlin in Bau: Noch in diesem Jahr wird eine weiteres Riesenkino an der Karl-Marx-Straße in Neukölln eröffnen. Für ein weiteres Multiplex mit zehn Sälen am Alexanderplatz ist jüngst der Grundstein gelegt worden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar