Berlin : Großstadtgeheimnis

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Am Anfang stand ein Anruf der Hausverwaltung vom Kurfürstendamm 29 im vergangenen Jahr: Eine Brigitte de Laforgue sei verstorben; in ihrer Wohnung finde sich ein interessanter Nachlass. Gemälde, Fotos und Filme aus dem historischen Berlin. Ein knappes Dutzend Umzugskartons, die sukzessive im Heimatmuseum gesichtet wurden. Herausgekommen ist eine spannende Ausstellung über das Lebenswerk des Berlin-Chronisten Leo de Laforgue. Geboren 1902 bei Köln, studierte er an der dortigen Maschinenbauschule. Noch mehr als die Luftfahrt, die ihn zu dem Studium veranlasst hatte, interessierte ihn bald die Kunst. Er zog nach Berlin, schrieb eine Biografie über van Gogh und war Kameramann bei Leni Riefenstahls Olympia-Film. Später wurde er nicht nur Kriegsberichterstatter, sondern vor allem Dokumentarist des vergehenden Glanzes von Berlin: Seit 1936 hatte er für "Symphonie einer Weltstadt" gedreht. 1943, als die Metropole in Trümmern lag, sollte der Film unter dem Titel "Berlin - wie es war" aufgeführt werden. Goebbels verbot ihn; der Film wanderte ins Archiv und fristete bis zur 750-Jahr-Feier 1987 ein Schattendasein. De Laforgues zweite bedeutende Dokumentation zeigt das Schicksal des Stadtschlosses. Fotos daraus vermitteln einen Eindruck von der Hohenzollern-Residenz. Bis zu seinem Tod 1980 hat de Laforgue rund 100 Filme gedreht.

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