Großveranstaltungen in Berlin: Sicherheit oder Freiheit? : Feste feste absichern

Alle wollen feiern - aber das muss strenge kontrolliert werden. Erst recht vor Wahrzeichen, in Zeiten von Terroranschlägen..

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Vermeile doch! Eine Fanparty soll es jetzt auch zum Champions-League-Finale geben. Doch das wird kompliziert.
Vermeile doch! Eine Fanparty soll es jetzt auch zum Champions-League-Finale geben. Doch das wird kompliziert.Foto: Nietfeld/dpa

Wer vor der historisch bedeutenden Kulisse eines Wahrzeichens wie dem Brandenburger Tor eine Demo organisiert oder eine Feier veranstaltet, kann sich eines sicher sein: Bilder mit dem Sightseeing-Symbol werden von den Medienmachern und Internetbloggern dieser Welt gern publikumswirksam verbreitet. In Zeiten einer allgemein gestiegenen Terrorgefahr angesichts von Anschlägen wie beim Marathon in der amerikanischen Metropole Boston 2013 müssen solche Plätze aber wesentlich besser geschützt werden – was für die Veranstalter immer neue Herausforderungen mit sich bringt. Die jüngsten Beispiele in Berlin dafür sind die zuletzt abgehaltene Silvesterfeier auf der Straße des 17. Juni, das anstehende traditionelle Internationale Kinderfest „23 Nisan“ vom 24. bis 26. April auf der Feiermeile am Brandenburger Tor sowie vieldiskutierte Pläne zu einem Uefa-Fanfest um den 6. Juni herum zum Champions-League-Finale im Olympiastadion.

„Das ist ein ständiges Abwägen zwischen Sicherheit und Freiheit“, sagt etwa Mittes Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD). Mitunter ginge dieser Abgleich zuletzt aber „auf Kosten der Zivilgesellschaft“ aus. Viele Vereine mit Ehrenamtlichen könnten sich die gestiegenen Kosten für mehr Sicherheit anders als Sponsorenfirmen nicht leisten.

Derzeit gibt es Diskussionen um ein Fansportfest des Europäischen Fußballverbandes rings ums Tor. Dabei sollte ähnlich wie bei der Fußball-WM 2006 auf der Reichstagswiese ein kleines Stadion auf dem Pariser Platz aufgebaut werden – doch Mitte äußert gegenüber dem Senat Bedenken. So gebe es wegen der Französischen und der US-Botschaft besondere Auflagen; der Pariser Platz könne bei Panik wirken wie ein Flaschenhals. Auch seit der Love-Parade-Massenpanik in der Enge in Duisburg 2010 ist laut Hanke mehr Vorsicht zu wahren. Darauf würden auch die Behördenmitarbeiter achten, die im Falle eines Falles zur Rechenschaft gezogen werden würden.

Höhere Kosten durch überkletterungssichere Zäune im Tiergarten und mehr Sicherheitspersonal an den Einlässen konnten die Veranstalter von „Silvester in Berlin“ stemmen, sagt Sprecherin Anja Marx. Die Veranstalter des Nisan-Kinderfestes würde dies aber in Probleme bringen, weiß Bezirksbürgermeister Hanke.

Indes erinnern sich auch viele Berliner mit ungutem Gefühl an das Fifa-Fanfest zur Fußball-WM 2014 in Brasilien an der Copacabana. Da verweigerten viele Europäer, sich durch einen engen Zaungang aufs Gelände zu drängen – und jubelten lieber von außen mit.


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