Berlin : Grünanlage mit Mäzen

Das Pflegegeld für die Berliner Parks reicht nicht Deshalb kümmern sich immer mehr Privatleute

Thomas Loy

Berlins Grünanlagen befinden sich im Pflegenotstand. Rasenflächen degenerieren zu Wiesen mit Trampelpfadmuster, Sträucher zu Hundekloaken, und Blumenrabatten – nein, die sind längst abgeschafft. „Normale Pflege findet gar nicht mehr statt“, sagt Neuköllns Grünflächen-Chef Bernd Kanert. In der Hasenheide zum Beispiel wird drei Mal im Jahr Rasen gemäht und zwei Mal im Jahr das Gehölz beschnitten. Das ist alles. Kurz nach der Wiedervereinigung waren mal 500 Gärtner und nochmal so viele Hilfskräfte mit der Pflege der Neuköllner Anlagen beschäftigt, heute sind noch 50 Gärtner übrig geblieben. Was sie nicht schaffen, erledigen Fremdfirmen, bis das Budget aufgebraucht ist.

Rund 80 Millionen Euro stehen jedes Jahr für die Pflege der Berliner Grünanlagen bereit, doch ein Großteil davon wird für die sogenannte „Verkehrssicherung“ von Straßen, Gehwegen und Spielplätzen sowie die Beseitigung von Vandalismusschäden ausgegeben. Wer Gartenanlagen im klassischen Sinne erleben möchte, muss die „Gärten der Welt“ in Marzahn besuchen oder in den Britzer Garten gehen und Eintritt zahlen.

„Das Stadtgrün hat keine Lobby“, sagt der Landschaftsarchitekt Klaus Neumann. „Früher gab es Landesgartendirektoren, das ist heute alles abgeschafft. Es gibt Mäzene für Kunst und Kultur, aber im Grünbereich ist das Engagement fast null.“ Neumann könnte sich vorstellen, Immobilienbesitzer zur Finanzierung angrenzender Grünanlagen heranzuziehen. Schließlich werben viele Vermieter offensiv mit dem Vorzug „Wohnen am Park“. Auch über die Vergabe von Namensrechten sollte diskutiert werden. Neumann weiß allerdings, wie heikel dieses Thema ist. „In New York hatte der Bürgermeister vorgeschlagen, den Central Park in Coca-Cola-Park umzutaufen, und einen Proteststurm ausgelöst.“

Stefan Ziller, Naturschutz-Sprecher der Grünen, findet grundsätzlich „keinen Vorschlag falsch“, um die Finanzen für die Grünpflege aufzubessern. „Die Vergabe von Namensrechten ist interessant.“ Dilek Kolat von der SPD sieht dagegen keinen Spielraum für eine „weitere Belastung des Privatbürgers“.

Zunehmend kümmern sich Anwohner freiwillig um das öffentliche Grün. Rund 30 Initiativen gibt es in der Stadt, die meisten haben sich kleinere „Schmuckplätze“ ausgesucht, zupfen Unkraut, räumen Müll weg oder pflanzen Bäume. Aber auch größere Grünanlagen haben inzwischen ihren Förderverein, so am Lietzenseepark in Charlottenburg, am Mauerpark in Mitte oder an den Rehwiesen am Nikolassee. Allerdings gibt es immer wieder Reibereien mit den Ämtern, weil Bürger nicht nur helfen, sondern auch mitreden wollen. Private Initiativen ersetzen nicht die Arbeit der Grünflächenämter, betont die Referatsleiterin für das Berliner Stadtgrün, Beate Profé: „Es ist eher die Aufforderung an die Ämter, mehr zu tun.“ Thomas Loy

Der BUND Berlin berät private Initiativen. Ansprechpartner ist Kristina Markan, Tel. 78 79 00 -0

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