Berlin : Gründerzeiten im Zollernhof

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Spät am Abend sitzt Werner Otto auf einem Stuhl im vielfarbig ausgeleuchteten Zollernhof. Er ist umgeben von deutschen Markennamen. Nebenan stehen Florian Langenscheidt , Alexandra Oetker und Annette Roeckl . Die ZDF-Kameras haben sich zurückgezogen, die zuvor die Verleihung des Deutschen Gründerpreises 2006 aufgenommen hatten, der als großes gesellschaftliches Ereignis inszeniert wird wie eine Oscar-Verleihung. Schließlich soll er helfen, ein Klima zu schaffen, das Selbstständigkeit populärer macht. Viele seiner Studenten träumten noch von fester Anstellung, sagt Bernd Bertsche , der an der Uni Stuttgart das Institut für Maschinenelemente leitet. Wie viele Vorteile es haben kann, selbstständig zu sein, sähen viele noch gar nicht, die sich Illusionen machen über den Angestellten-Status in Zeiten der Globalisierung. Elvira Bach , die eine der Frontfrauen der Jungen Wilden war, die in den 80er Jahren die Malerei revolutionierten, steht in einer auffällig schwarz-weiß gemusterten Robe mitten unter dunklen Anzügen und Nadelstreifen. Ob sie sich jemals ein Leben als Angestellte hätte vorstellen können? Da lacht sie belustigt auf: „Nein wirklich nicht.“

Auch der Restaurant-Theater-Erfinder Hans-Peter Wodarz, der zur Verleihung gekommen ist, hat früh schon das Abenteuer der Selbstständigkeit gesucht. „Man hat mehr schlaflose Nächte“, gibt er zu bedenken. „Aber alles ist so viel intensiver.“ Als der heute 97-jährige Werner Otto nach dem Krieg sein Versandhaus gründete, war das Klima automatisch da. Der erste Katalog war handgefertigt mit eingeklebten Fotos von Schuhen. 14 Seiten umfasste er und erschien in einer Auflage von 300. Heute sind Otto-Kataloge 1250 Seiten dick und erscheinen in einer Auflage von zehn Millionen. Sie sind auch nur ein Teil des Geschäfts. Das ist dem Sohn Michael Otto zu verdanken, der, wie gestern berichtet, gemeinsam mit seinem Vater ausgezeichnet wurde.

Neben den Unternehmer-Legenden stehen lustig lachende Schülerinnen aus Soltau, die den Nachwuchspreis bekommen haben für die Erfindung von Klicktrikots für Tisch-Fußballfigürchen. Der Tischfußball soll künftig nicht nur von männlichen Kickern beherrscht sein, sondern auch von Mädchen in Miniröcken und mit langen Mähnen. Bi

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