Berlin : Grüne finden sich neu

Wechsel an Parteispitze wahrscheinlich Ex-Abgeordnete Oesterheld prüft Kandidatur

Sabine Beikler

An der Spitze der Berliner Grünen wird es bei den turnusmäßigen Wahlen des Landesvorstands im kommenden Februar voraussichtlich zu einem Wechsel kommen. Mit der Arbeit der Landesvorsitzenden Till Heyer-Stuffer und Almuth Tharan sind nämlich viele Grüne unzufrieden, Kritik wird inzwischen offen geäußert. „Unsere Sprecher sprechen nicht“, sagt Dietmar Lingemann vom Vorstand in Friedrichshain-Kreuzberg offen. „Sie müssen stärker nach außen wirken“, kritisiert Irmgard Franke-Dreßler, Grünen-Fraktionschefin in Steglitz-Zehlendorf. Der Abgeordnete Dirk Behrendt ergänzt: „Wir brauchen eine schlagkräftigere Führung.“ Und dafür werden wohl gleich mehrere Kandidaten antreten.

„Ich kann mir eine Kandidatur vorstellen“, sagt etwa Barbara Oesterheld, von 1995 bis 2006 Mitglied des Abgeordnetenhauses. Die 55-Jährige will sich darüber mit der Basis in den Bezirksverbänden nach Weihnachten beraten. Oesterheld ist Bau- und Stadtentwicklungsexpertin und saß für die Grünen im langjährigen Untersuchungsausschuss zur Berliner Bankenaffäre. Sie kennt die tagespolitische Arbeit in der Fraktion genau.

Landesgeschäftsführerin Kirsten Böttner, die vergangenes Wochenende auf dem Bundesparteitag bei der Wahl zur Bundesgeschäftsführerin unterlegen war, hält sich eine Kandidatur für den Vorsitz offen. „Ich kandidiere als Mitglied des geschäftsführenden Landesvorstands“, sagt die 43-Jährige lediglich.

Almuth Tharan, seit 2003 Parteichefin und Mitglied der Pankower BVV-Fraktion, tritt ebenfalls wieder an. Dass sie und Heyer-Stuffer zu wenig öffentlich in Erscheinung träten, sei „ein beliebter Kritikpunkt bei allen Landesvorständen“, sagt die 43-Jährige. Positionierung zu aktuellen Themen sei aber Aufgabe der Fraktion. Sie kann die Kritik nicht nachvollziehen und verweist auf Parteitagsbeschlüsse über Bildung, Stadtentwicklung und Integration, die der Vorstand angeschoben habe.

Auch Heyer-Stuffer, seit 2001 Parteichef, weist die Kritik von sich. Der Landesvorstand habe die Aufgabe, die Partei geschlossen zum Beispiel im Wahlkampf zu führen. Das sei der Parteispitze gelungen. „Wir sind im Gegensatz zu anderen Parteien nicht zerstritten“, sagt er. Auch programmatische Diskussionen habe die Partei sehr wohl geführt. Ob er noch einmal für den Vorsitz kandidiert, hält sich der 47-Jährige offen.

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