Grüne fordern Umgestaltung : Sorgenkind Tierpark

09.07.2012 07:34 Uhrvon
Dieser Vari-Halbaffe bekommt Leckerbissen vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Die Verantwortlichen des Tierparks hätten gern mehr Geld - ob Wowereit da auch so spendabel ist? Foto: dpa
Dieser Vari-Halbaffe bekommt Leckerbissen vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Die Verantwortlichen des Tierparks hätten gern mehr Geld - ob Wowereit da auch so... - Foto: dpa

Weil die staatlichen Zuschüsse sinken, werden die Sorgen immer größer im Tierpark in Friedrichsfelde. Der kleine Bruder des Zoos zieht nicht so viele Touristen an. Jetzt fordern die Grünen: Die Umgestaltung muss kommen.

Der Zoo punktet durch Artenvielfalt, historische Bauten und die zentrale Lage, der Tierpark hingegen bleibt Berlins zoologisches Sorgenkind: Viel Grün, viel Platz, viele Tiere – doch zu wenige Besucher. Zwar hat seine Geschäftsführung vor anderthalb Jahren den „Masterplan 2020+“ vorgelegt, der das finanzielle Überleben sichern soll. „Doch bei der Umsetzung ist nichts Bahnbrechendes passiert“, kritisiert die tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Hämmerling.

Zudem fordert sie, das Land Berlin solle, wie in anderen Städten üblich, nicht nur die finanzielle, sondern auch die fachliche Aufsicht über Zoo und Tierpark übernehmen.

Die Finanzverwaltung habe in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage erklärt, dass der Senat es nicht bewerte, wie der Tierpark als gemeinnützige Gesellschaft die Millionen Steuergelder ausgebe. So dürfe es nicht bleiben, sagt Hämmerling, die Umweltverwaltung könne mitkontrollieren. Sie will jetzt den Rechnungshof anrufen.

Der Tierpark in Friedrichsfelde erhielt vom Senat 2011 noch 6,4 Millionen Euro, davon waren 5,7 Millionen Betriebskostenzuschuss. 2012 sind es noch 5,4 Millionen für die Betriebskosten, 2013 nur noch 5,2 Millionen, sagt Tierpark-Finanzexpertin Gabriele Thöne. Dazu kommen nächstes Jahr aber 200 000 Euro für die Entwicklung des Masterplanes, der mit seinen Projektideen 80 Millionen Euro kosten würde. Laut SPD-Experte Daniel Buchholz hat das Parlament den Senat beauftragt, den Masterplan in die Investitionsplanung für 2013 bis 2017 aufzunehmen. „Ich bin schon lange mit der Politik im intensiven Austausch“, sagt Zoo-Vorstand Thöne.

Bildergalerie: Klaus Wowereit besucht den Tierpark

„Wir brauchen aber endlich eine inhaltliche Debatte im Parlament, wie Berlin sich die Zukunft des Tierparks vorstellt“, sagt der grüne Haushaltsexperte Jochen Esser. Der Tierpark sei mit 160 Hektar Fläche als größter Landschaftstiergarten Europas einzigartig, habe aber viel Entwicklungspotenzial und müsse dringend Eigenmittel einwerben. Laut Thöne verzeichnete der Tierpark 2011 ein Umsatzplus von 18 Prozent und hatte zehn Prozent mehr Besucher.

Doch das reicht nicht. Die Verluste betrugen 211 000 Euro, bislang konnten sie durch Erbschaften und Schenkungen als Rücklagen aufgefangen werden. Die Lage ist so ernst, weil die Zuwendungen innerhalb der letzten zehn Jahre halbiert wurden, der Zoo bekommt seit Anfang 2012 nichts mehr.

Hier nun hofft man auf den Masterplan: Um mehr Tickets zu verkaufen, soll der Tierpark ein ganztägiges Familienausflugserlebnis ermöglichen. Gabriele Thöne sieht in der „Familienerlebniswelt Storchendorf“ einen guten ersten Schritt: Da sollen Großstadtkinder durch Baumwipfel klettern, Tiere streicheln, und auch Bildungsangebote gehören dazu. Mit Zoo-Vorstandkollege Bernhard Blaszkiewitz wird Thöne im Herbst im Parlament auch das neue Südostasienhaus vorstellen, unter anderem mit Menschenaffen, das käme auf 10 Millionen Euro.

Gleich teuer wäre die „Rocky Mountains“-Hügellandschaft mit Gondeln. Für den computergestützten „Galapagos“-Eingangsbereich zu Evolution und Ökologie, der gemeinsam mit Wissenschaftsinstituten betrieben werden soll, ist eine Machbarkeitsstudie geplant.

Derweil regt Thomas Ziolko von der Fördergemeinschaft für Zoo und Tierpark an, Modelle dafür kostengünstig mit den Unis zu entwickeln. Wegen des beliebten Schlosses Friedrichsfelde im Park könnte man mehr Kooperationen mit Kultur und Oper prüfen, zudem gezielt Singles umwerben. Selbst über ein großes Delfinarium solle man nachdenken, der Tierpark brauche eine Attraktion.

Zoo und Tierpark suchen Firmen als Großsponsoren, die die Masterplan-Projekt stemmen - und sind laut Gabriele Thöne dankbar für bisherige Förderer, wie Volvo bei einer Laufveranstaltung und die BVG mir ihrer Kinderparty. So unterstützt die Gasag die Zoo-Uni und die HoWoGe den Tierpark, sagt Thomas Ziolko von der Fördergemeinschaft für Zoo und Tierpark. Auch die Wohnungsgenossenschaft Merkur eG fördert den Tierpark; zudem gab es von Haribo Unterstützung.

Unterdessen wurden die Hauptstadtzoos Berlin mit dem silbernen "M-Berlin Marketing Award 2012"  für die Kampagne „Täglich wilde Szenen“ ausgezeichnet, teilte Zoo-Pressesprecherin Claudia Bienek mit. Die Kampagne soll mehr Jahreskarten und BabyCards für die drei zoologischen Einrichtungen Berlins einwerben und Kunden binden.

„Der Senat behandelt zwei vergleichbare Einrichtungen völlig unterschiedlich“, kritisierte Esser: Das Land ermögliche den Bäderbetrieben hohe Investitionen, behandele aber den Tierpark stiefmütterlich. Dabei gehört er an sich dem Land und wurde von der Zoo AG auf Senatswunsch als Tochter übernommen. Im Zooaufsichtsrat sind etwa die Finanzverwaltung vertreten, laut Grünen fehlen aber Zooexperten.

Derzeit wird das Alfred-Brehm-Raubtierhaus saniert, bald führen Brücken durch die Wipfel. Dass sich an der Eisbärenanlage etwas tut, geht auf die Initiative der verstorbenen Zoo- und Tierpark-Förderin Doris Webb zurück. Sie hatte sich für eine Erweiterung der Anlage eingesetzt, nun benutzt der Tierpark die Spendengelder aber erstmal, um für 110000 Euro eine Scheibe und  eine Rampe zugunsten der Besucher fürs Gehege zu bauen.

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Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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