Berlin : Grüne Woche: Die Gurke steckt in der Dose

Claus-Dieter Steyer

Gewohnt lässig greift der junge Mann zur Dose und öffnet mit einem kräftigen Daumen den Deckel. Doch statt des erwarteten Zischens des Inhaltes herrscht Stille. Nur ein starker würziger Geruch verbreitet sich. Mit zwei Fingern holt er schließlich eine gewöhnliche Spreewaldgurke aus dem einer Getränkedose ähnelndem Behälter. Die Überraschung für die herumstehenden Freunde ist gelungen. Mit sichtbarem Hochgenuss beißt der sich betont locker gebende Typ in die grüne Frucht.

Die Idee aus dem Spreewaldhof Golßen, größter Gurkenverarbeiter in der Lagunenlandschaft südlich Berlins, stößt auf der Grünen Woche auf viel Neugier. Als Snack zwischendurch soll er ab Februar zuerst an Tankstellen verkauft werden. Aber die Firma hofft auf guten Absatz auch in Diskos oder auf Volksfesten. In eine Dose passt genau eine Gurke mit gerade 33 Kalorien. Dadurch dürfte auch so mancher Streit am Mittags- oder Abendtisch leichter beizulegen sein. Wer im Unterschied zu den anderen Familienmitgliedern nicht auf seine Gurke verzichten will, wählt eben die Dose statt des großen Glases. Auch Autofahrer erhalten jetzt eine frische Stärkung für unterwegs.

Die Gurkendose ist nicht die einzige Neuheit aus Brandenburg. Auch die Brennerei Sellendorf in der Nähe von Golßen bietet ein neues Gurkenerzeugnis an. Allerdings nimmt der Käufer keine Vitamine mit nach Hause, sondern hochprozentigen Kräuterlikör. Den lässt Betriebsleiter Klaus Neumann in kleine Plastikbehältnisse in Form einer Spreewaldgurke abfüllen. Diese besitzen einen Schraubverschluss, so dass die Gurke immer nachgefüllt werden kann. An der unteren Seite hängt ein kleiner Nippel. "Damit knüpfen Sie einfach mehrere Gurken aneinander, hängen sich die Kette um oder verstecken Sie gekonnt irgendwo im Jackett", erklärt Verkäuferin Petra Hinz. Die Idee zu dieser Abfüllung des sonderbaren Gurkenwassers sei in einer gemütlichen Runde mit dem Brennereichef geboren worden. Die O,2 Milliliter des 30-prozentigen Likörs reichen gerade für einen kräftigen Schluck aus.

Während dieses Wasser also nichts für den Vitaminhaushalt leistet, preist Wilfried Wilke aus Fredersdorf am östlichen Berliner Stadtrand das ganze Gegenteil an. "Sanddorn in reinster Form erhält zehnmal mehr Vitamine als eine Zitrone", sagt der Chef der traditionsreichen Kelterei. Die Beerenfrucht gibt es zwar seit einigen Jahren in zahlreichen Mischungen mit anderen Substanzen, doch Wilke schwört auf die reine Form. Die ist für den ersten Moment etwas bitter, soll aber vor so mancher Krankheit schützen. Brandenburg eignet sich wegen seiner vergleichsweise schlechten Böden sehr gut für Sanddorn, der jedoch lange Zeit mühsam per Hand geerntet werden musste. Nun stehen auch dafür Maschinen zur Verfügung.

Beim Stichwort Neuzelle fällt vielen Biertrinkern vor allem die dort ansässige Klosterbrauerei ein. Mit ihrem Streit um ihr Schwarzbier, das wegen des Zusatzes von Zucker eigentlich gar kein Bier sein darf, verschaffte sich die Brauerei überregionale Beachtung. Nun kommt aus dem Ort an der Oder wieder eine Neuerung. Die Essigmanufaktur veredelt das Bier aus der Brauerei zu Schwarzbieressig und Bockbieressig. Die Methode gleicht dem Brennen von Obst. Es sei sogar möglich, den Schwarzbieressig nicht nur für Salate aller Art zu verwenden, sondern nach Beimischung von Honig auch als Topping zu Vanilleeis. Apropos Honig - in der Brandenburg-Halle kann der Besucher auch Honigbier und Honigwein kosten.

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