Berlin : Grüne Woche: "Die Kuh macht kein Spektakel"

Herr Kellermann[als Betriebshelfer kommen Sie vie]

Macht den Bauern die Rolle als Buhmann zu schaffen? Würde ein Landwirt sich heute auch noch für diesen Beruf entscheiden? Der Tagesspiegel setzt jeden Tag einen Bauern auf die Couch. Heute: Jens Kellermann, 33. Er arbeitet als Betriebshelfer auf verschiedenen Thüringer Bauernhöfen.



Herr Kellermann, als Betriebshelfer kommen Sie viel herum. Sie sehen viele Höfe, haben jeden Tag etwas anderes zu tun. Lieben Sie eine Arbeit besonders?

Ich mache eigentlich alles gern. Aber die Rinder machen mir am meisten Spaß, sie zu füttern und zu melken. Ich bin lieber bei denen als bei den Schweinen.

Warum?

Kühe reagieren anders.

Worauf denn, auf das Füttern?

Ja. Ein Schwein tut seine Freude über das Futter lauter kund als eine Kuh. Die macht nicht so ein Spektakel.

Mögen Sie denn keine Dankbarkeit?

Mich freut es, wenn die Tiere gesund sind und die Leistung bringen, die ich erwarte.

Macht das Bauer-Sein immer noch Spaß?

Es ist bedauerlich, dass wir wegen der Rinderseuche in Bedrängnis geraten sind. Die Ställe sind voll, weil der Absatz zusammengebrochen ist. Aber das ändert nichts an meiner Freude an der Landarbeit.

Ist niemand auf Sie böse?

Ja gut, man wird angesprochen. Aber es lässt sich alles erklären.

Was sind das für Höfe, die einen Helfer wie Sie nötig haben?

Ich arbeite bei sogenannten Wiedereinrichtern. Das sind Leute in den neuen Ländern, die nach der Wende einen Betrieb gegründet haben. Die stehen im Vergleich zu den großen Agrarunternehmen auf wackligen Füßen. Deshalb haben diese Bauern einen Anspruch auf Betriebshelfer, also Leute, die alle Arbeiten, die auf einem Bauernhof anfallen, machen können.

Haben Sie vor, irgendwann einmal einen Betrieb zu gründen?

Die Abwechslung, die ich habe, reicht mir.

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