Berlin : Grüne Woche: Zur Kaffeepause ins Biotop

Claus-Dieter Steyer

Brandenburgs Bauern sehen erstaunlich optimistisch dem Trubel auf der Grünen Woche entgegen. Von einer Verunsicherung durch die BSE-Krise und anderen Schreckensmeldungen auf dem Lebensmittelsektor war 24 Stunden vor der offiziellen Eröffnung in der Halle 21 a nichts zu erkennen. Landwirte, Fleisch- und Obstproduzenten, Bierbrauer, Fischer und Gastwirte zeigten sich an ihren 126 Ständen sichtlich gut gelaunt. Allerdings hatte die Hälfte der Fleisch- und Wurstanbieter von vornherein auf Erzeugnisse vom Rind verzichtet.

Brandenburgs Agrarminister Wolfgang Birthler fand für diese Zurückhaltung wenig Verständnis. "Wir können dem Verbraucher doch nicht die Entscheidung abnehmen", sagte er während seines Rundgangs. "Wenn die Verbraucher wissen, dass die Rinder in Brandenburg gesund aufgezogen werden, werden sie zugreifen." Demonstrativ fragte er deshalb an fast jedem zweiten Stand nach "irgendwelchen Produkten aus Rindfleisch" oder zumindest einer Beimischung. Birthler hatte seit Ausbruch der BSE-Krise nie einen Hehl aus seiner Vorliebe für Rinderrouladen gemacht und immer wieder vor "ungerechtfertigter Panikmache" gewarnt. Die meisten Aussteller haben sich offensichtlich gut auf kritische Fragen der Messebesucher vorbereitet, wie Stichproben ergaben.

Fachleute der einzelnen Branchen würden an allen Messetagen Auskünfte über Produktionsmethoden und die einzelnen Unternehmen geben. Auf besonders viel Besuch haben sich die Vertreter des Ökologischen Landbaus eingerichtet. Das Angebot am Gemeinschaftsstand reicht vom Choriner Öko-Bier, heimischen Tee- und Kräuterspezialitäten, Obst und Gemüse, Ziegenkäse bis zu Fleisch- und Wurstspezialitäten. Ein abseits der großen Besucherströme eingerichtetes Cafe trägt den schönen Namen "Biotop". Sechs Prozent aller Brandenburger Lebensmittel entfallen auf Bio-Produkte. "An uns soll es nicht liegen, diesen Anteil weiter zu erhöhen", versicherte Agrarminister Birthler. Nach Mecklenburg-Vorpommern gebe Brandenburg die zweithöchste Fördermittelsumme für den ökologischen Landbau aus. Entscheidend sei die Nachfrage der Verbraucher nach den etwas teureren Produkten.

Die Chancen für den Absatz dieser Produkte scheinen tatsächlich sehr hoch zu sein. Gerade zwei Prozent des in Berlin verkauften Brotes stammt aus Biobäckereien. Der höhere Preis der Bio-Produkte, so erklärten Anbieter gestern, entstehe gar nicht bei der Produktion der Waren. Die geringeren Mengen verteuerten vor allem den Transport und den Handel mit ihnen. Auch Brandenburger Gastronomen wollen den Auftritt auf der Grünen Woche zur Werbung nutzen. Fünf Wirte von Landgasthöfen stellen ihren neuen Slogan "Genießen, wo es wächst" vor.

"Mindestens 80 Prozent der verarbeiteten Produkte sollen aus der Region kommen", erklärte Jörg Welz vom Landhotel "Theodor F." im südlich Berlins gelegenen Gröben. Außerdem bieten die beteiligten Lokale eine bodenständige Speisekarte sowie Erlebnisangebote wie Kutsch- und Kremserfahrten an. Zu erkennen werden die besonderen Häuser an einem einfachen Namen sein: "Brandenburger Landgasthof".

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