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Grundsatzbeschluss : Bettenhaus der Charité wird saniert

In der Diskussion um die Zukunft des Bettenhochhauses der Charité gibt es eine Grundsatzentscheidung des Aufsichtsrates. Der Neubau ist vom Tisch, aber das Sanierungskonzept des Vorstands wird noch einmal überprüft.

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Das Bettenhochhaus der Charité in Mitte wird saniert. Darauf hat sich der Aufsichtsrat des Universitäts-Klinikums, dem auch Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) und Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) angehören, am Freitag im Grundsatz geeinigt. Der Charité-Vorstand muss sein Konzept für den Umbau und die Modernisierung des Traditionsgebäudes an der Luisenstraße aber sehr gründlich überarbeiten. Die Zahlen seien noch nicht belastbar, hieß es aus Teilnehmerkreisen. In drei Wochen will der Aufsichtsrat endgültig beschließen.

Der Plan sieht eine Sanierung des Hochhauses bei laufendem Betrieb vor. Für die Bauzeit wurden drei Jahre veranschlagt. Patienten und Beschäftigte müssen so lange auf einer wandernden Baustelle leben. Der Vorschlag der Charité-Führung, nur acht von 21 Etagen wieder für den herkömmlichen Krankenhausbetrieb herzurichten und in den übrigen Etagen kostengünstige Labor- und Büroräume einzubauen, wurde vom Aufsichtsrat abgelehnt. Der Klinikums-Vorstand wurde stattdessen aufgefordert, möglichst preiswerte Baustandards vorzusehen und auf jede Form der „Luxussanierung“ zu verzichten.

Die Zahl der Betten im sanierten Hochhaus wurde am Freitag nicht festgelegt. Das oberste Kriterium soll sein: Die Investitionskosten pro Bett und Operationssaal müssen minimiert werden. Daraus errechne sich die Gesamtzahl. Zu den Sparmaßnahmen gehört wohl auch, dass nicht alle Vierbett- in Zweibett-Zimmer umgewandelt werden. Dem Vernehmen nach waren sich die fachlich zuständigen Senatoren Zöllner und Nußbaum in allen Punkten einig.

Vor einem Jahr hatte der Aufsichtsrat des Uni-Klinikums noch für einen Neubau plädiert. Auf Empfehlung des Charité-Vorstands, an dessen Spitze der Neurologe Max Einhäupl steht. Damals zog Finanzsenator Nußbaum aus finanziellen Gründen die Notbremse. Denn der Neubau wurde im September 2009 mit 347 Millionen Euro veranschlagt, eine Sanierung des Bettenhauses mit 330 Millionen Euro. Beides hätte den Investitionsrahmen für die Charité (Masterplan) von 330 Millionen Euro bis 2014 gesprengt. Ein Jahr später erfolgte die Kehrtwende. Die Sanierung darf voraussichtlich nur 160 Millionen Euro kosten. Sollte die Charité noch zusätzlichen Investitionsbedarf entdecken, steht noch weniger Geld zur Verfügung. Angeblich meldete der Vorstand einige Millionen Euro Mehrbedarf für die Sanierung der OP-Säle im Klinikum Steglitz und für die Herrichtung der klinikeigenen Tierställe an.

Der Neubau eines kleineren Gebäudes für 400 bis 500 Betten am Standort Mitte wurde von den Senatsvertretern im Aufsichtsrat rundweg abgelehnt. Die Begründung: Das sei unwirtschaftlich. Zumal die Charité für einen Neubau 40 Millionen Euro zusätzlich vom Senat haben wollte. Mit dem Hinweis darauf, dass ein neues Gebäude langfristig kostengünstiger sei. Rot-Rot ist dem Vernehmen nach aber nicht bereit, das Gesamtbudget für Investitionen von 330 Millionen Euro aufzustocken. Der Aufsichtsratsbeschluss in drei Wochen muss anschließend vom Senat abgesegnet werden.

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