Gruselkabinett in Berlin sucht Erschrecker : "Kinder dürfen nicht weinen"

Der "Berlin Story Bunker" sucht neue Erschrecker. Der Leiter des Gruselkabinetts über die Kunst des Erschreckens und ein besonderes Stellenprofil.

Milena Menzemer
So oder so ähnlich kann ein Erschrecker aussehen.
So oder so ähnlich kann ein Erschrecker aussehen.Marc Tirl/dpa

Herr Lenze, Sie suchen einen Erschrecker fürs Gruselkabinett. Was müssen die Kandidaten im Casting alles machen?
Sie müssen zeigen, dass sie ordentlich schreien können. Außerdem gucken wir, wer am schönsten stirbt. Die Kandidaten müssen im Casting mit Geistern und Dämonen kommunizieren. Und zehn Liegestütze machen.

Wieso Liegestütze?
Ein Erschrecker braucht eine Top-Kondition. In dem Beruf rennt man wahnsinnig viel – und dabei muss man ruhig bleiben können. Ein Erschrecker muss sich schnell anschleichen, ohne aufzufallen. Dann schlägt er zu: mit Röcheln, Grunzen, Schreien. Aber kein „Buhu“ wie in der Kindergeisterbahn. Das muss bis aufs Mark erschrecken. Danach gilt es wieder unauffällig in eine Ecke zu verschwinden. Wir suchen Leute, die zwischen den zwei Extremen Ruhe und Action hin und her wechseln können.

Wie weit darf der Erschrecker denn gehen?
Der Erschrecker muss böse und grimmig sein können. Aber grundsätzlich suchen wir einen lieben Charakter. Die Erschrecker dürfen auch nicht zu weit gehen. Wenn Kinder anfangen zu weinen, ist das nicht in Ordnung. Bei Erwachsenen kann das okay sein. Die kommen ja her, um sich zu gruseln, und wollen Entertainment. Trotzdem dürfen die Erschrecker nicht so weit gehen, dass die Besucher am Abend nicht mehr einschlafen können.

Enno Lenze, 32, Geschäftsführer im Berliner Gruselkabinett am Anhalter Bahnhof.
Enno Lenze, 32, Geschäftsführer im Berliner Gruselkabinett am Anhalter Bahnhof.Foto: Benjamin Bergemann

Und was bitte soll „Kommunikation mit Geistern und Dämonen“ sein?
Wir suchen jemanden, der im Erschreckerteam kommunizieren kann. „Paul, die Blonde da drüben schreit gut, erschreck die mal!“ – das geht natürlich nicht. Im Team kann man zum Beispiel grunzen oder Affengeräusche machen, um sich zu verständigen. Da sollen die Bewerber eigene Ideen liefern. Wir gucken dann, ob die Leute im richtigen Format denken.

Wer wird beim Casting erschreckt?
Unser dienstältester Erschrecker sitzt in der Jury, er arbeitet seit acht Jahren hier. Außerdem Horrorexpertin Jey, die ist für die Deko zuständig, und ich. Wenn wir uns erschrecken, ist das natürlich exzellent. Sonst erschrecken die Bewerber einfach vor sich hin. Oder wir testen an Besuchern.

Suchen Sie denn einen bestimmten Erschrecker-Typen?
Die Bewerber sollen ihre eigene Rolle verkörpern, jeder hat seinen eigenen Stil. Wir haben hier einen Clown, einen Sensenmann, einen Gorilla, jemanden aus der Zombie-Apokalypse. Wir nehmen Horrorkellner oder Warzenschweine, ganz egal. Hauptsache die Bewerber bringen rüber, dass sie gruselig sind. Sie müssen ihr eigenes Kostüm mitbringen!

Wie viel verdient man als Erschrecker?
Bei uns arbeitet man nicht ausschließlich als Erschrecker, das wäre viel zu anstrengend. Wir haben hier auch noch den Souvenirladen. Man kann von dem Verdienst normal leben in Berlin, ähnlich wie im Einzelhandel. Das ist kein Studentenjob, sondern ein richtiger Beruf.

Interessenten können am 17. September von 10.30 bis 12.30 Uhr im „Berlin Story Bunker“, Schöneberger Straße 23a, Kreuzberg, vorstellig werden. Vorherige E-Mail-Anmeldung an: Lenze@BerlinStory-Bunker.de. Wer keine Zeit hat, kann sich per Youtube-Video bewerben.

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