Berlin : Gütesiegel: Gedreht in Berlin

Die Hauptstadt ist das Zentrum der deutschen Pornofilmer. Doch die Konkurrenz aus dem Internet setzt die Produzenten unter Druck

Moritz Honert

Berlin ist die deutsche Hauptstadt – der Pornofilmindustrie. Von den rund 350 Produktionsfirmen in Deutschland, von denen allerdings nur 20 bis 30 professionell arbeiten, sitzen rund zehn in Berlin. Nur im Ruhrgebiet gibt es eine vergleichbar hohe Dichte von Produzenten, von denen aber wiederum etliche in Berlin filmen lassen.

„Der Hauptgrund für die Attraktivität der Stadt ist derselbe wie immer“, sagt Andreas Fischer, Geschäftsführer des Softcore-Produzenten Beate-Uhse-TV. „Berlin ist billig.“ Ein amerikanischer Produzent habe ihm gegenüber kürzlich prophezeit, Berlin werde, was die Branche angeht, das neue Prag – ein in der Vergangenheit favorisierter Drehort. Weitere Gründe, die in den Augen der Produzenten für den Standort sprechen sind die geografische Nähe zu Osteuropa und die aufgrund der großen Bevölkerung hohe Anzahl von verfügbaren Darstellern. „In Berlin gibt es eine große Szene, in der sich Leute mit ganz unterschiedlichen sexuellen Interessen zusammenfinden“, sagt Holger Quandt von Inflagranti. Die 1997 gegründete Firma stellt im Schnitt sechs Filme pro Monat her und gilt als der größte Hardcore-Produzent in Berlin.

Mitunter fungiert die Stadt sogar als Gütesiegel. „Es ist heute so, dass der Hinweis ,Gedreht in Berlin‘ den Verkauf ankurbeln kann“, sagt Bernhard Strubel, Geschäftsführer des 2006 in der Hauptstadt gegründeten Labels Baronfilm. Über den Absatz solle man sich jedoch keine Illusionen machen. Im Schnitt würde ein Film nicht öfter als 500 Mal verkauft. Eine Produktion, die sie während der WM auf der Fanmeile gedreht haben, sei mit 4000 Verkäufen schon ein richtiger Hit, sagt Strubel. Bei geringen Produktionskosten von 5000 bis 50 000 Euro, die in der Branche pro Film veranschlagt werden und Verkaufspreisen zwischen 10 und 50 Euro, bleiben trotzdem ordentliche Margen. Schätzungen zufolge erwirtschaften die Produzenten auf dem deutsche Markt, der als der zweitgrößte nach den USA gilt, jährlich rund 800 Millionen Euro. Etwa 1000 neue Titel sollen pro Monat bei der Güfa, der Gesellschaft zur Übernahme und Wahrnehmung von Filmaufführungsrechten, die die Branche betreut, monatlich angemeldet werden.

Das Geschäft mit den Pornos wächst jedoch nicht. „2006 hatten die meisten Firmen Umsatzrückgänge gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen“, sagt Inflagranti-Sprecher Quandt. Was nicht an mangelnder Nachfrage liege. Die Pornobranche spüre jedoch wie die Musikindustrie auch deutlich die gestiegene Konkurrenz der ausländischen Downloadangebote aus dem Internet.

Bis dato verkaufen die Produzenten hauptsächlich an die rund 1300 Sexshops und etwa 4000 Videotheken Deutschlands. Erste machen gut die Hälfte ihres Umsatzes mit Videos und DVDs, die Videotheken etwa ein Viertel, was immer noch einem Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro entspricht.

Doch auch hier sinken die Umsätze, bestätigt Benny Wunderlich, Fachbereichsleiter Erotik bei Video World, der mit rund 40 Filialen größten Videothekenkette Berlins. „Der Anteil am Umsatz nimmt derzeit mit rund fünf Prozent pro Jahr ab.“ Schuld sei auch hier das Internet. Von dem Geschäftszweig trennen möchte sich das Unternehmen nicht, dafür sei er zu wichtig. Im Gegenteil: derzeit arbeite man an einem eigenen Auftritt, über den Video-on-Demand-Angebote verfügbar gemacht werden sollen, sagt Wunderlich. Er geht davon aus, dass sich die Anstrengung lohnt. Zum einen sei die Nachfrage ja nicht gesunken, sondern habe sich nur verlagert, zum anderen wandle sich auch die Kundenstruktur. Hauptabnehmer wären zwar nach wie vor Männer, doch auch Paare und Frauen würde er immer wieder in den Erotikabteilungen der Filialen sehen, berichtet Wunderlich. Das Geschäft mit den Pornos werde zunehmend als etwas Normales gesehen.

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