Berlin : Gut Bellevue: Nur das Gärtnerhaus überdauerte die Jahrhunderte

Steffi Bey

Es ist das Einzige, was noch vom Gut Bellevue übrig blieb: das Gärtnerhaus. Sein Baujahr wird von Experten auf 1715 geschätzt. "Auf jeden Fall gehört es zu den ältesten Fachwerkhäusern des Bezirks", ist sich Matthias Vondung, der Leiter vom Verein Restaurierungs-Zentrum Berlin sicher. Ohne den Verein, der sich um die Ausbildung von Restauratoren kümmert, würde es das denkmalgeschützte Haus wahrscheinlich nicht mehr geben. Seit Jahren stand es leer und verfiel zusehens. Lehm und Putz bröckeln von den Wänden, und im Fußboden klaffen riesige Löcher.

Eigentlich hätte der Eigentümer des benachbarten Einkaufszentrums an der Friedrichshagener Straße das Denkmal erhalten müssen. Doch es passierte nichts, bis Mitarbeiter des Restaurierungszentrums den Fachwerkbau entdeckten. "Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sich der Kunsthistoriker Vondung. Obwohl vom Dach nicht mehr viel übrig war und auch im Innern überall Müll herumlag, war sich der Vereins-Chef sicher, "dass es wieder ein Schmuckstück wird". Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Das Gärtnerhaus muss von oben bis unten generalüberholt werden, sagt Helmut Mölter, der seit etwa einem Jahr daran mitwirkt. Für den 40-Jährigen ist es nach eigenen Worten eine Herausforderung. Schließlich soll so viel wie möglich vom ursprünglichen Gebäude erhalten bleiben. Eine schwierige Aufgabe, weil etwa die Hälfte der Holzbalken vom Schwamm befallen ist. Deshalb ergänzen inzwischen helle Kiefern- und Eichenhölzer die historischen Stützen. Mit beigefarbenen Ziegeln wurde das Fachwerk ausgemauert, so dass die Rückseite des Hauses bereits ihr altes Gewand in neuer Form zurückbekam. Noch schützt aber eine Folie die Fassade. Auch das Dach wurde in den zurückliegenden Monaten gedeckt: Mit teilweise wiederverwendeteten und nachgearbeiteten Ziegeln.

Noch steht allerdings nicht genau fest, wie das Haus zur geplanten Fertigstellung in drei Jahren, im Innern aussieht. "Vielleicht ergänzen wir die wiederentdeckten Jugendstilmalereien an allen Wänden", sagt Vondung. Möglich sei aber auch, einzelne Muster hinter Plexiglas zu zeigen. Denn sicher ist, dass in dem Schmuckstück künftig nicht nur Weiterbildungen stattfinden, sondern auch Lesungen oder andere kulturelle Veranstaltungen.

Auch über die Raumaufteilung sind sich die Restauratoren bereits einig: Im Erdgeschoss wird es zwei Seminarräume, eine Küche, ein Büro, Sanitäreinrichtungen und eine Hausmeisterwohnung geben. Im Obergeschoss wird Platz für einen großen Vortragssaal geschaffen.

Rund zwei Millionen Mark kosten die aufwendigen Sanierungsarbeiten, die der Verein unter anderem mit Denkmalschutzmitteln aufbringt. Das ursprünglich zum Gut gehörende Schloss Bellevue entstand 1766. Den umliegenden Park - den es noch heute gibt - und die Äcker bewirtschafteten einst Hugenotten. Anfang der 50er Jahre wurde das im Krieg zerstörte Schloss abgerissen. Das Gärtnerhaus diente bis Mitte der 70er Jahre als Wohnung, später wurde es von einer Kindereinrichtung genutzt.

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