Gutes Karma : Wie sich Berliner mit Migrationshintergrund ehrenamtlich engagieren

Sie sind Migranten und engagieren sich für Berlin. Das Buch "Mittenmang" stellt 20 Helfer vor.

Lisa Rogge
Yekta Arman, geboren 1953, Türkei, betreibt das einzige türkische Theater in Berlin, an dem er Theater-Sozial-Unterricht für türkische Schüler anbietetAlle Bilder anzeigen
Foto: Luca Vecoli
28.09.2011 16:52Yekta Arman, geboren 1953, Türkei, betreibt das einzige türkische Theater in Berlin, an dem er Theater-Sozial-Unterricht für...

Menschen mit Migrationshintergrund leben in Parallelgesellschaften, verweigern die Integration und engagieren sich selten ehrenamtlich – dass dies nur Vorurteile sind, belegt der von der Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegebene Porträtband „Mittenmang“. 20 Menschen werden in der 130-seitigen Broschüre vorgestellt, die alle eines gemein haben: Sie sind vor etlichen Jahren nach Berlin eingewandert, sind heute im Ruhestand - und ehrenamtlich aktiv.

Einige hören sich die Probleme von Gefangenen an, andere kümmern sich um minderjährige Flüchtlinge oder bieten Yogaunterricht für HIV-Positive. Manche kamen als Studenten, andere als Gastarbeiter. Ihre Lebenserfahrungen werden ungeschminkt dargestellt. Einige der Helfer sind heute nicht nur im Herzen, sondern ganz offiziell Deutsche geworden. Andere haben sich bewusst dagegen entschieden, ihre Nationalität zu wechseln. So etwa der Inder Vilwanathan Krishnamurthy. Wenn er stirbt, soll seine Asche in den heiligen Flüssen Indiens verstreut werden, ist über ihn zu lesen. Aber davor steht noch sein Einsatz für indische Flüchtlinge. Für die Asylbewerber aus seinem Heimatland ist er als Dolmetscher gebührenfrei im Einsatz. Aufgeschrieben hat die Lebensgeschichten der neun Frauen und elf Männer der Journalist und Grimme-Preisträger Justus Boehncke.

Jede Geschichte der Menschen aus Griechenland, Kenia, Korea oder Aserbeidschan ist auf Deutsch und anschließend in der Muttersprache des Porträtierten zu lesen. Das soll anderen Menschen mit Migrationshintergrund Mut machen, sich auch für Demokratie und Integration einzusetzen, heißt es in der Einleitung.

Auch der aus der Türkei stammende Yekta Arman ist ein gutes Beispiel für „Mittenmang“, für Engagement mitten in der Gesellschaft. 1975 gründete er mit seinen Freunden in Berlin ein türkisches Theater. Ein Ort, an dem Türken, Deutsche und Migranten aus vielen Ländern gemeinsam auf einer Bühne stehen. Heute gibt Arman dort 150 türkischen Schülern Theaterunterricht, in dem sie lernen, durch Rollenspiele Konflikte zu lösen.

Krishnamurthy vergisst nie, wie gut er aufgenommen wurde: „Deutschland ist mein Traumland geworden.“ Lisa Rogge

Lesung des Autors und Diskussion mit drei Porträtierten sowie Frank-Walter Steinmeier (SPD) heute um 19.30 Uhr im Umspannwerk Ost, Palisadenstraße 48. „Mittenmang“ - Hrsg. von Bettina Luise Rürup und Beyhan Sentürk. Dietz-Verlag, 22 Euro. ISBN 978-3-8012-041

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