Berlin : Haarig und hungrig

In Potsdam fressen Raupen sich durch ein Museum.

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Potsdam - Die Spur der Verwüstung ist für den geübten Blick fast überall erkennbar: Von einer Hornisse fehlt der Kopf, ein Eichhörnchen hat ein centstückgroßes Loch im Fell, beim Flamingo gegenüber sind schon Löcher in den Füßen auszumachen. Dem Leiter des Naturkundemuseums Potsdam, Detlef Knuth, macht ein ungeliebter Besucher zu schaffen: der sogenannte Museumskäfer.

Das Insekt ist nur wenige Millimeter groß – und wenn es entdeckt wird, ist es eigentlich schon zu spät. Denn für das Museum gefährlich sind nur die Larven, der Käfer selbst frisst lediglich Blüten. Die bis zu fünf Millimeter langen haarigen Raupen, die auch Allergien auslösen können, fressen dagegen organisches Material wie Haare oder Federn – und das ist reichlich vorhanden an den Exponaten. Mit ähnlichem Appetit im Museum unterwegs seien auch Motten, erklärt Knuth. „Wir können das nur abstellen, wenn wir die Vitrinen dem Stand der Technik anpassen.“ Bisher nämlich hat das Naturkundemuseum keine insektensicheren Vitrinen. Die Umrüstung würde etwa eine halbe Million Euro kosten. Diese Ausgabe aber, sagt Knuth, werde ihm seit Jahren von der Stadt immer wieder gestrichen. Von den insgesamt 60 Vitrinen seien derzeit nur vier dicht genug, um Befall mit dem Museumskäfer oder Motten zu verhindern.

Entsprechend viel ist zu tun bei der Schädlingsbekämpfung: Befallene Präparate werden mehrere Tage durchgefroren und sind dann „entwest“, also schädlingsfrei – aber nicht geschützt vor neuem Befall. Manche Exponate müssen ganz ausgetauscht werden. Was bei Hornissen vergleichsweise einfach ist, stellt die Museumsmacher bei seltenen Tieren auch vor Beschaffungsprobleme. Jana Haase

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