Berlin : Härtere Strafen: Schleppende Sanktionen

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Hartnäckigen Störenfrieden ist an den Schulen nur schwer beizukommen. Die wenigen Sanktionen seien entweder zu lasch oder zu langwierig in der Umsetzung, hieß es aus etlichen Schulen. Anlass für die Nachfrage war die im Tagesspiegel erhobene Forderung eines Schulleiters, man brauche "weitere Ordnungsmaßnahmen", um durchgreifen zu können. An seiner Schule hatte eine Schülerin einen Jugendlichen per Handy in den Unterricht gerufen, wo er dann, wie berichtet, den Lehrer massiv bedrohte und zu antisemitischen Äußerungen zwingen wollte.

"Umsetzungen an andere Schulen sind sehr umständlich", kritisiert Jens Großpietsch, Leiter der Heinrich-von-Stephan-Oberschule. Über Klassenkonferenz und Schlichtungsausschuss führe der Weg zur Gesamtkonferenz. Erst dann gehe es an die Schulaufsicht, die nochmals die Eltern hören müsse: "Dann sind Wochen vergangen", sagt Großpietsch. Zudem gebe es "erziehungsohnmächtige Eltern". Er erlebe pro Jahr mindestens zwei Fälle, wo Kinder "eigentlich aus ihrer Familie herausgeholt werden müssten", um nicht "am Bahnhof Zoo zu landen". "Das Schulgesetz ist für Extremfälle nicht gemacht", hat auch Wolfgang Harnischfeger festgestellt, der als Steglitzer Gymnasialleiter in der SPD-Bildungskommission mitgearbeitet hat. Er spricht von "schwerfälligen Gremien" und davon, dass "wir relativ hilflos sind, solange ein Schüler schulpflichtig ist".

Die Senatsschulverwaltung weist die Kritik an einer hinderlichen "Gremienwirtschaft" zurück und betont, der Schüler habe ein Recht darauf, dass derart einschneidende Maßnahmen intensiv geprüft werden müssten. Zudem könne man auch "vorläufige Maßnahmen" treffen, wenn "Gefahr im Verzuge" sei.

Für den schulpolitischen Sprecher der CDU, Stefan Schlede, reichen die bisherigen Ordnungsmaßnahmen wie Tadel, befristeter Schulausschluss und Umsetzung nicht aus. Er appelliert an die Schulen, in der Schulordnung zusätzliche Sanktionen wie gemeinnützige Arbeiten festzulegen.

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