Berlin : Halloween brutal – Kinder raubten Süßigkeiten

Mädchen und Jungen randalierten und überfielen sich gegenseitig Auch eine 75-jährige Frau wurde von Maskierten angegriffen

Jörn Hasselmann

So brutal ist Halloween noch nie in Berlin gefeiert worden. Reihenweise gingen bei der Polizei Anzeigen ein – entweder nahmen sich bewaffnete Kinder die Bonbons gegenseitig weg oder sie randalierten vor Wohnungstüren aus Enttäuschung darüber, keine Süßigkeiten bekommen zu haben. Von den Fällen, die die Polizei gestern veröffentlichte, läuft keiner mehr unter der Kategorie „Scherz“.

Eine Chronologie der Nacht: Um 18 Uhr fordern vier Kinder in der Siegfriedstraße in Lichtenberg einen 12-Jährigen auf, seine Süßigkeiten herauszurücken. Als der Junge flüchtet, holt ihn ein 13-Jähriger ein, schubst ihn zu Boden und schlägt und tritt auf sein Opfer ein. Danach flüchtet er mit den erbeuteten Bonbons. Der 12-Jährige wird leicht an Kopf und Gesicht verletzt. Zeugenaussagen führen die Polizei schnell auf die richtige Spur, im Kinderzimmer des 13-Jährigen werden die geraubten Süßigkeiten gefunden. Strafmündig ist der Junge nicht.

Um 19 Uhr fordern vier maskierte „Geister“ auf der Koloniestraße in Wedding von einer 75-jährigen Frau ebenfalls Süßigkeiten oder eine „Spende“ von einem Euro. Als die Frau dies verweigert, schlagen ihr die Jugendlichen ins Gesicht und wollen die Handtasche entreißen. Die Frau hält die Tasche fest, die vier flüchten ohne Beute. Etwa zur gleichen Zeit bedrohen zwei 13 und 14 Jahre alte Mädchen in der Trierer Straße in Weißensee einen Neunjährigen mit einem Messer – sie wollen sein Süßes haben. Die Räuberinnen werden festgenommen. An der Schulzendorfer Straße in Heiligensee reagieren fünf Jungs heftig, als sie von den Mietern eines Mehrfamilienhauses nichts bekommen: Sie sprühten ein ein Meter großes Hakenkreuz und „Hitler“ an die Wand. Die Jungen sind elf und zwölf Jahre alt.

Um 19.30 Uhr klingeln drei Jungs an der Tür eines Reihenhauses in der Ernst-Haeckel-Straße in Hellersdorf. Der Eigentümer hört den Ruf „Wer nichts Süßes gibt, kriegt Saures“, dann knallt es: Die Halloween-Geister zünden einen Strohkranz an. Der 53-Jährige läuft einem 16-Jährigen hinterher und hält ihn fest. Auch dieser – betrunkene – Jugendliche wird der Mutter übergeben. Um 20 Uhr schießt ein 15-Jähriger im Billerbecker Weg in Tegel mit einer Soft-Air-Waffe auf einen Elfjährigen. Folge: ein Bluterguss. Der Schütze raubt dem Kind die Schokolade; er wird später festgenommen, die Waffe im Kinderzimmer gefunden. In Potsdam drehte ein alkoholisierter 20-Jähriger durch: Er war vom Halloween-Geklingel so genervt, dass er Kinder mit einer Axt verscheuchte.

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