Berlin : Hammerpreise für die Buddy-Bären

Die Versteigerung der Plastik-Petze aus der Vollversammlung am Brandenburger Tor erbrachte 192 000 Euro für Unicef

Lothar Heinke

Bären über Bären! Schon am Eingang des Museums für Kommunikation grüßen sie im Bonsai-Format und können zum Preis von 49 Euro 90 gleich mitgenommen werden. Etwas teurer sind all die anderen, die unter den Rundbögen zur Schau stehen und aus ihren Nischen atemlos zusehen, wie sich die Menschen da unten im großen Saal gegenseitig überbieten, um sie zu ersteigern. Das frühere Postmuseum wurde zum Ort der letzten Begegnung mit der Gemeinschaft der Buddy-Bären. Vorbei die Zeit am Pariser Platz, zerrissen der Kreis der 125 landestypisch bemalten, bärigen Symbolteddys und ihr Werben für Vertrauen und Verständigung. Nun werden sie versteigert.

Eva und Klaus Herlitz, die die Bären-Idee hatten, berichten mehreren hundert Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur vom großen Echo ihrer Bären-Vollversammlung auf dem Gelände der amerikanischen Botschaft: Johannes Rau war da, Peter Ustinov und unzählige Touristen, die die Bären fürs Familienalbum verewigten. Eine Zeitung in Costa Rica lobte das Unternehmen als „Kunst der Toleranz“, und Sabine Christiansen als Unicef-Botschafterin erinnerte an die katastrophale Lage von vier Millionen Waisenkindern im südlichen Afrika. Einem lebenswichtigen Projekt kommt der Erlös der Versteigerung zugute – am Ende, spät in der Nacht, wird Bilanz gezogen: Die 46 Bären waren den Gästen die stolze Summe von 190 200 Euro wert. Mit Temperament und einem ermunternden Zuschlaghammerstiel trieb die Auktionatorin Julia Theuerkauf (Christiansen: „Der Name birgt dafür, dass Sie hier nicht so billig davonkommen“) die Preise in die Höhe. Schon die Rohlinge kosteten über tausend Euro, das war das Mindestgebot. Die Preise für die bemalten Bärenbäuche lagen am Ende zwischen drei und 6000 Euro. Spitzenreiter wurde der englische Bär, dem der Künstler Jonathan Petch das Porträt seiner Queen auf den Bauch geklebt hatte. 6200 Euro ließ ein Fan des Vereinigten Königreichs dafür springen, als Geschäftsführer der Allgemeinen Beamten-Kasse wird Jörg Woltmann diese Neuerwerbung in den Geschäftsräumen in der Invalidenstraße ausstellen. Die Glücklichen mit dem höchsten Gebot für den im Hundert-Euro-Takt nach oben getriebenen Bärenpreis nannten uns die unterschiedlichsten Standorte für ihre zentnerschwere, zwei Meter hohe neue Errungenschaft. Den schwarz-weiß gemusterten China-Bär ersteigerte sich mit 5200 Euro Jian Zhou für sein Pluta-Gartencenter in Marienfelde, der putzig angezogene Ghana-Bär war Hermann und Andreas Schuppan 4100 Euro wert und begrüßt die Kunden der Firma Dentinox am Nunsdorfer Ring, die Kieferorthopäden Dr. Weinsheimer und Harms stellen Syrien und Tadschikistan vor ihre Praxis in die Gropiuspassagen, und Familie Bischoff, die nach einer Urlaubsreise zu Chile-Fans geworden ist, ersteigerte für Katharina (8) und Sophie (14) den Chile-Bär. Bis jetzt ist noch nicht entschieden, ob er ins Kinderzimmer bugsiert oder im Garten aufgestellt wird. Jedenfalls fand es Botschafter Antonio Skarmeta ganz toll, dass der bunte Riese in liebevolle Pflege kommt. Im Übrigen sei der Schöpfer Samy Benmayor ein sehr berühmter Künstler.

Eine weitere Versteigerung gibt es am 28. Januar mit den Petzen vom „öffentlichen Straßenland“. Sie müssen bis zum Jahresende weg sein. Nur die Bären auf Privat- oder Firmengelände bleiben als Erinnerung an die Zeit der 500 bunten Bären in Berlin.

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