Handy-Flirts : Anschluss unter dieser Nummer

Es könnte sich lohnen, vor dem nächsten Flirtversuch aufs Handy zu schauen. Denn das gibt vielleicht Informationen über das Subjekt der Begierde sowie potenzielle Gesprächsthemen preis und erspart schlechte Anmachsprüche. Man muss nur Aka-Aki haben.

Franziska Böhl

Hinter dem Kunstwort Aka-Aki verbirgt sich ein Programm fürs Handy. Über die integrierte Bluetooth-Funktion, die fast jedes neue Handy hat, kann im Umkreis von etwa 20 Metern erkannt werden, wer noch Aka-Aki-Mitglied ist. Informationen, Fotos, gemeinsame Interessen, „Sticker“ genannt, und Freunde werden angezeigt. Mails mit einer Länge von bis zu 1000 Zeichen können ebenfalls direkt geschrieben werden.

„Aka-Aki benutzt Technologien, deren Nutzung so nicht gedacht war“, erklärt Mitbegründer Roman Hänsler. Er und fünf Berliner Freunde entwickelten Mitte vergangenen Jahres den mobilen Online-Dienst für ihr Projekt zur anstehenden Diplomarbeit. Alle Gründer studieren an der Universität der Künste Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation. „Die Prüfer waren von der Idee angetan. Kurz darauf entstand Aka-Aki, noch am selben Tag gründeten wir unsere Firma“, sagt Anja Kielmann, die ebenfalls an dem Projekt beteiligt ist.

Im vergangenen Juni ging Aka-Aki online. Mehr als 1500 Personen haben bis Mitte März das Programm getestet. „Wir haben keine Werbung dafür gemacht, Aka-Aki hat sich nur über Blogs im Internet verbreitet“, sagt Kielmann. Der Großteil der Tester sind etwa 20-Jährige aus Berlin. Aber auch 14- und 50-Jährige sowie Interessenten aus Hamburg, München, dem Ruhrpott und aus Wien seien Mitglieder. „Die meisten Begegnungen hatten wir bei einem Fußballspiel in Hamburg. 1000 Leute hatten im Umkreis der 20 Meter ihre Bluetooth-Funktion eingeschaltet, das waren also 1000 potenzielle Aka-Aki-Nutzer“, erinnert sich Kielmann.

Allzu teuer ist der Spaß nicht: Das Programm selbst ist kostenlos. Nur der Internet-Datenverkehr muss bezahlt werden. Mit dem passenden Tarif ist das aber günstig. „Beispielsweise kostet bei dem Anbieter Simyo ein Datenpaket von einem Megabyte 24 Cent“, sagt Hänsler. Für Aka-Aki würden im Monat ungefähr fünf Megabyte ausreichen, und Internet-Flatrates gibt es inzwischen auch fürs Handy.

Ist das Telefon gerade nicht mit dem Internet verbunden, aber die Bluetooth- Funktion eingeschaltet, wird die Begegnung trotzdem aufgezeichnet. Auf dem heimischen Computer kann sie dann abgerufen werden. Auf dem PC hat Aka-Aki noch mehr Funktionen: Galeriebilder können hochgeladen, „Sticker“ angelegt und Blogs gelesen werden. Und es kann der „Aki der Woche“ gesehen werden: Diesen Titel – plus „Fanpaket“ mit T-Shirt – erhält jener Nutzer, der die meisten Begegnungen hatte.

Die Entwickler sind von ihrer noch ungewohnten Idee überzeugt, auch wenn man sich an Aka-Aki noch gewöhnen müsse. Nur das Ansprechen übernimmt das Handy nicht. Trotzdem konnte das Projekt andere bereits überzeugen: Im Dezember wurden kommerzielle Partner für die weitere Vermarktung gefunden. „Viel mehr als mit unseren Uni-Jobs verdienen wir damit zwar nicht, aber wir machen das auch eher aus Spaß an unserem Projekt“, sagt Kielmann. Über ein Jahr hätten sie bereits daran gearbeitet. Im Moment sind alle froh, dass das Semester zu Ende ist und man sich nun auf die Firma konzentrieren könne.

Das Logo des Projekts ist ein Elch. Der wurde als gut zu merkender Sympathieträger auserkoren und Aka genannt. Jetzt muss er sich nur noch vermehren, damit die Idee überlebt. Franziska Böhl

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