Berlin : Hannibal ante portas (Glosse)

Andreas Conrad

Elefanten sind zu vielem gut. Man kann mit ihnen die Belastbarkeit einer Schwebebahn testen (Wuppertal), Bergpässe erklimmen (Hannibal), ja, sie sind ohnehin militärisch leicht zu drillen (Colonel Hathi). Weiter eignen sie sich gut zur Kinderbetreuung (Wendelin, Benjamin Blümchen), als Tiefflieger (Dumbo) oder als Schlipsmuster (Kohl). Etwa in Thailand sind Elefanten Touristenattraktionen, schaukeln Hunderttausende durch den Urwald, der freilich seine Tücken hat: Eine Bananenstaude nur, und so ein Vieh ist nicht mehr von der Stelle zu bewegen.

Da ist es ausgesprochen günstig, dass am Rande der Rennbahn Hoppegarten Bananenstauden nicht recht gedeihen. Die Attraktivität eines Elefantenrennens, wie es dort für Mitte Juli vorgesehen ist, könnte angesichts lethargisch malmender Dickhäuter massiv sinken. Dieses Projekt, so ungewöhnlich es sich auf den ersten Blick ausnimmt, ist nicht zu unterschätzen und ausgesprochen gut für Berlin, kann es doch als Gradmesser für den zunehmenden Reiz, den Berlin international ausstrahlt, gewertet werden. Vor zweieinhalb Jahren waren es nur dusselige Kamele, die in Hoppegarten immer im Kreise rannten, aber besonders im vorderen Orient allerhand Aufsehen erregten. Diesmal nun schaut man wohl auch am Hindukusch auf diese Stadt, in Chiang Mai, Bangkok und Hanoi sowieso. Ja, wir sind wieder wer, und der Kohl mit seinem Elefantengedächtnis wird bestimmt Ehrengast, Genschman mit seinen Segelohren desgleichen, und all die Damen und Herren ebenfalls, die mit ihren Rüsseln das Geld, das auf der Straße lag, erst erschnupperten, dann ansaugten, um unmittelbar danach ein wackeres "Ich bin klein, mein Herz ist rein" in die Welt zu trompeten. Fragt sich nur, wie das Elefantenrennen noch zu steigern ist: Nashornhatz im Olympiastadion? Nilpferdrallye auf der Havel? Sackhüpfen mit Kängurus? Den Stadtanimateuren wird schon was einfallen.

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