Berlin : Happy End

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VON TAG ZU TAG

David Ensikat über Tränen der Wiedervereinigung am Checkpoint Charlie

Veronika liebt Vadim, Vadim liebt Veronika, und wenn die beiden sonst keine Probleme hätten, wäre man gestern Vormittag locker am Checkpoint Charlie vorbeigekommen. Veronika und Vadim wurden aber getrennt, über Jahre – die Zeitläufte, Sie verstehen. Daher ist die Sache so tragisch und also ein Filmstoff; da sie sich hinzieht, sogar Stoff für eine Fernsehserie, 24 Teile, genannt „Moskau Saga“, gedreht in Moskau, St.Petersburg, auf der Krim und in Berlin.

Vadim im Osten, Veronika im Westen, der Eiserne Vorhang – als Vadim Veronika liebte und vice versa, gab es ihn noch. Sie verstehen: die Tränen, die Tragik, die Dramaturgie. Gestern haben sie sich wiedergetroffen, am Checkpoint Charlie. Die Straße war deshalb gesperrt. Wo ein Souvenirladen im Filmbild störte, stellten die Filmemacher „You are leaving the american sector“Schilder auf, vorbeilaufen durften nur Statisten in MP-Uniform und grauen Fünfzigerjahre-Mänteln. Als die Wiedervereinigung Vadims mit Veronika fertig gedreht war, rupfte sich der Vadim-Darsteller den Schnauzer aus dem Gesicht und ließ sich von einem Kollegen in MP-Uniform vorm Checkpoint fotografieren. Glaubt einem ja sonst keiner, dass man da war. „Moskau Saga“ ist eine russische Serie. Wir werden sie wohl nie sehen können. Aber sie geht ja gut aus. Außerdem dürfen wir jetzt wieder den amerikanischen Sektor verlassen.

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