Haus der Statistik : Das Geisterhaus vom Alexanderplatz

Berlin will den leerstehenden Plattenbau kaufen. Es soll ein Kulturtreff werden und Platz für Behörden bieten.

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Das ehemalige Haus der Statistik am Alexanderplatz.
Das ehemalige Haus der Statistik am Alexanderplatz.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Vorteil für das Land Berlin: Der Senat ist nun doch erste Wahl beim Bund als Kaufinteressent vom Haus der Statistik. Nachdem der Bundesrechnungshof – wie berichtet – eine Sanierung des gewaltigen 40 000 Quadratmeter großen Ensembles am Alexanderplatz angeregt hatte, um dieses für nachgeordnete Bundeseinrichtungen zu nutzen, erklärte das Bundesministerium für Finanzen nun in einer Stellungnahme: Die öffentliche Verkaufsanstalt für Bundesliegenschaften Bima „befindet sich derzeit mit dem Land Berlin in konkreten Verkaufsverhandlungen“.

Das bestätigte auch die Senatsverwaltung für Finanzen auf Anfrage. Das Bundesfinanzministerium erklärte weiter, der Bund habe selber kein eigenes Interesse an einer Nutzung des denkmalgeschützten Hauses. Es beherbergte seit 1970 die Staatliche Zentralverwaltung für Statistik der DDR. Das Gebäude am Alexanderplatz – zwischen ehemaligem Haus des Reisens und Haus des Lehrers – steht seit mehr als acht Jahren leer. Bisher wollte sich die Bima nicht auf dessen weitere Verwendung festlegen.

Der Leerstand des Gebäudes wurde gerügt

Der Bundesrechnungshof hatte den Leerstand des Gebäudes in bester innerstädtischer Lage kritisiert. Dem Rechnungshofbericht zufolge liegt „der gutachterlich festgestellte Wert (des Gebäudes) bei 47 Millionen Euro“. Der bestehende Bebauungsplan sehe eine Wohnbebauung vor. Allerdings gebe es beim Bezirk bereits den Entwurf für einen neuen Bebauungsplan, der eine Mischbebauung zulassen würde und damit auch die Ansiedlung von Behörden und Gewerbe.

In dem Schreiben aus dem Hause von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), das dem Tagesspiegel vorliegt, heißt es: „Angesichts des erheblichen Instandhaltungsrückstaus ist eine Vorhaltung oder Sanierung der Liegenschaft nicht wirtschaftlich.“ Weder gebe es eine „gegenwärtige noch eine absehbare Bundesnutzung“ für das Haus an der Otto-Braun-Straße 70.

Mensch und Maß. Das Wandfresko von Ronald Paris hing im Konferenzsaal des Hauses der Statistik, es preist das Ideal einer kommunistischen Gesellschaft. Seit 2010 ist es im DDR-Museum in Mitte zu sehen.
Mensch und Maß. Das Wandfresko von Ronald Paris hing im Konferenzsaal des Hauses der Statistik, es preist das Ideal einer...Abbildung: Thom Verlag/VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Der Senat will das Gebäude unbedingt haben

Der Berliner Bundestagsabgeordnete Swen Schulz (SPD) begrüßte die Entscheidung: „Bleibt zu hoffen, dass das Haus zu einem angemessenen Preis an das Land geht.“ Kurzum, es ist nur noch eine Frage des Geldes, wann das Geisterhaus am Alex in Landeseigentum wechselt. Der neue Senat will das Haus der Statistik unbedingt haben. Rot-Rot-Grün hatte sich bereits im Koalitionsvertrag festgelegt: Die Koalition beabsichtigt „das Haus in Landeseigentum zu überführen“. „Das Haus der Statistik wird als Ort für Verwaltung sowie Kultur, Bildung, Soziales und Wohnen entwickelt“. Von einem „Projekt mit Modellcharakter“ ist die Rede, mit neuen „Kooperationen und einer breiten Mitwirkung der Stadtgesellschaft“.

Auch Projekträume für Künstler sollen entstehen

Sprecher der Initiative, die sich seit Jahren um das Haus bemüht, ist der inzwischen zum Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg berufene Florian Schmidt (Grüne). Der freut sich über die Festlegung des Bundes und sagt: „Die Initiative, beziehungsweise ihre Genossenschaft, hat den Auftrag von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, eine Potenzialstudie zu entwickeln.“

Die Arbeit laufe „auf Hochtouren“, eine Genossenschaft zur Entwicklung sei bereits gegründet, ebenso eine „Akademie der Zusammenkunft“. Dafür habe die Initiative Fördermittel der Senatsverwaltung für Kultur erhalten. Ziel sei es, mit Anwohnern Ideen für die Nutzung des Gebäudes und öffentlicher Räume zu entwickeln, wobei auch Räume für Geflüchtete, Wohnungen sowie Projekträume für Künstler und Soziales entstehen sollen. Erster Schritt könnte der Bau eines Pavillons vor dem Altbau sein, der als Treffpunkt für Dialoge und als Werkstatt für innovative Maßnahmen dienen soll. Dessen Finanzierung sei gesichert, auch durch städtebauliche Mittel des Bundes.

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