Berlin : Haus Schwarzenberg: Aus dem Westen in die schicke Mitte

Mathias Wöbking

Westkunst im Osten Berlins: Ausgerechnet im Haus Schwarzenberg, das in Mitte seinen Ruf verteidigt, ein Refugium der in den ersten Wendejahren viel gepriesenen Alternativkultur des Bezirks zu sein, beherbergt nun eine Ausstellung explizit westdeutscher Kunst. Ein Widerspruch?

"Eine Provokation", sagt Roger Frank von der Berliner Künstlergruppe "thebewegungselite", die die Ausstellung "Westdeutsche Kunst nach 1989" konzipiert hat. Der am Bodensee aufgewachsene Künstler hält nichts vom populären Ost-Schick und von der Mär, "authentische und unmittelbare Kunst" könne nur aus einer Ost-Biographie erwachsen. "Ernst zu nehmende Entwicklungen im westdeutschen Raum fallen dadurch aus dem Blick", beklagt er. Und das, obwohl so manches Werk, das unter dem Label des Ost-Pop in der Kunstwelt Erfolge feiere, nur auf die kommerzielle Verwertung ausgerichtet sei.

Die Auswahl der neun Künstler aus den alten Bundesländern erfolgte über die persönlichen Kontakte von "thebewegungselite". Markus Brenner zum Beispiel, der mit der Video-Installation "No Kissing!" vertreten ist, drückte in den 70er und 80er Jahren mit Frank die Schulbank im badischen Überlingen. In seinem Beitrag zur Ausstellung lässt Brenner in ständigen Wiederholungen eine kurze Kussgeste über einen Fernsehschirm flimmern, stellt dazu jedoch das Verbotsschild "No Kissing!". Der Künstler greift damit die nächtlichen Werbespots für Telefonsexnummern an. "Da gibt es ja nichts zum Küssen. Höchstens den Bildschirm", sagt er. Beim Zappen durch 0190-Spots empfindet Brenner einen Widerspruch: "Manche Bilder erregen den eigene Voyeurismus kurzfristig, wirken aber schnell nur abstoßend", sagt er.

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