Berlin : Haut, nah

Zart wie Schmetterlingsflügel und reißfest wie Leder, zwei Quadratmeter groß und gespickt mit Milliarden von Sensoren. Unsere Hülle ist ein Wunderwerk. Zu Ehren der Sommerzeit: Wissens wertes von A bis Z

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A wie atmungsaktiv

Eine Weisheit lautet: „Frische Luft macht schön.“ Wahr ist, dass die obersten Hautschichten bis zu einer Tiefe von 0,4 Millimetern mehr Sauerstoff aus der Umgebungsluft aufnehmen können, als sie über die Blutversorgung erhalten. Damit hilft viel frische Luft tatsächlich, eine schöne und gesunde Haut zu bewahren. Der Gesamtanteil der Sauerstoffaufnahme durch die Haut liegt aber bei unter einem Prozent des Sauerstoffverbrauchs.

A aber auch wie aua

Die Schmerzrezeptoren liegen ganz nah an der Hautoberfläche. Etwa drei bis vier Millionen Rezeptoren reagieren auf thermische, mechanische und chemische Reize. Es lassen sich zwei Sorten von Schmerzrezeptoren unterscheiden. Die schnell leitenden sind für den hellen, stechenden und die langsamer leitenden für den tiefen, dumpfen Schmerz zuständig.

B wie biologische Hautalterung

Die Haut einer 80-Jährigen ist um ein Drittel dünner als die einer 18-Jährigen. Die Haut braucht im Alter länger, um sich zu erneuern. Statt 28 Tage dauert es nun 40 bis 60 Tage. Die Bildung der Farbpigmente nimmt ab, der Mensch ist empfindlicher gegenüber UV-Strahlung.

E wie erogen

60 Millionen Tastsensoren liegen in der unteren Oberhaut wie auch in der Lederhaut. Besonders geballt kommen sie in den Lippen, der Zunge, den Fingerspitzen, den Brustwarzen, den äußeren Geschlechtorganen und der Afterregion vor. Hier beträgt der Abstand nur ein bis fünf Millimeter. Daher sind wir dort besonders empfindsam.

F wie feinsinnig

Die Haut als Sinnesorgan reagiert mit ihren Druckrezeptoren auf Tastreize so fein, dass der Mensch in der Lage ist zu spüren, ob ein Gewicht einen Druck von 0,106 Gramm oder nur von 0,101 Gramm ausübt. Somit wird eine Gewichtsdifferenz von 0,005 Gramm eindeutig erkannt. Berührungsrezeptoren haben die Fähigkeit, Schwingungen selbst in besonders schwachen Frequenzbereichen, etwa zehn bis 30 Hertz, zu unterscheiden. Da sie besonders nahe an der Hautoberfläche liegen und einen streng abgegrenzten Empfindungsbereich haben, lassen sie uns selbst feinste Berührungen (wie ein Fliegenbein) spüren. Sie sind verbunden mit einer Nervenfaser, die die Informationen mit einer Geschwindigkeit bis zu zwei Meter pro Sekunde an das Gehirn weitergibt.

G wie geschützt

Mit der Pigmentierung schützt die Haut sich selbst vor der UV-Strahlung, indem sie das von den Melanozyten produzierte Pigment Melanin wie einen Sonnenschirm um die Zellkerne der Oberhaut legt. Ein weiterer Schutzmechanismus, der durch UV-Licht aktiviert wird, ist die so genannte Lichtschwiele: Die oberste Hornschicht der Haut verdickt sich um etwa das Zehnfache, von 0,01 Millimeter auf 0,1 Millimeter. Dadurch kann, mit einer drei- bis vierwöchigen Vorlaufzeit, ein Lichtschutzfaktor vier erreicht werden, der verhindert, dass die Strahlen in tiefere Hautschichten eindringen.

H wie haarig

Menschen mit braunem oder schwarzem Haar haben im Durchschnitt 100 000 Haarfollikel. Etwas mehr, bis zu 150 000, haben Blonde, etwas weniger, etwa 75 000 haben Rothaarige.

K wie kilometerlang

Das Blutgefäßsystem der Haut besteht aus zwei netzartigen Strukturen: einer oben liegenden (zwischen den beiden Schichten der Lederhaut) und einer unteren (an der Grenze zum Fettgewebe der Unterhaut). Das tiefe und das oberflächliche Gefäßnetz sind durch senkrecht aufsteigende Gefäße verbunden. Von dem oberflächlichen Gefäßnetz dringen kleine Endgefäße (Kapillaren) bis unmittelbar unter die Oberhaut. Durch diese Kapillaren wird die Ernährung des Gewebes gewährleistet. Die Gesamtlänge der Hautkapillaren beträgt etwa 240 Kilometer bei einer Gesamtlänge der Blutgefäße des Körpers von 1440 Kilometern.

L wie lebenslänglich dick oder dünn

Die Anzahl der in der Unterhaut eingelagerten Fettzellen hängt von der Ernährung in den ersten Lebensjahren ab. Wer in der Kindheit zu viel isst, bildet mehr Fettzellen, als er benötigt, und diese lauern nun ein Leben lang darauf, sich mit Fett zu füllen und lassen so manche Diät fehlschlagen.

N wie nass

Der Mensch besitzt über 2,5 Millionen Schweißdrüsen. Die meisten sitzen an den Handinnenflächen, den Füßen und in den Achselhöhlen. An einem Tag kann ein Mensch bis zu fünf Liter Wasser über seine Schweißdrüsen verlieren. Durch die Ausscheidung von Schweiß, die Verdunstung von Wasser und die Weitstellung der Gefäße verhindert die Haut eine Überhitzung des Körpers und hält ihn auf Solltemperatur von 37 Grad Celsius.

R wie reißfest

Die Haut hält – ausgenommen einige Areale wie das Lid oder die Leisten – pro Quadratzentimeter ein Zuggewicht von 90 Kilo aus.

S wie sich selbst erneuernd

Hautzellen teilen sich ein Leben lang. Und: Durch Reibung verliert man bis zu 40 000 Hautzellen pro Minute, das sind in etwa 57,6 Milliarden pro Tag und insgesamt ganze vier Kilogramm pro Jahr.

SCH wie schwer

Das Gewicht der Haut entspricht einem Sechstel bis Siebtel des Körpergewichts. Die Haut ist damit unser schwerstes Organ.

U wie unglaublich groß

Die Haut ist auch unser größtes Organ. Ihre Oberfläche kann je nach Körpergröße und Körperumfang zwischen 1,5 und zwei Quadratmeter betragen.

U aber auch wie unverzichtbar

Bereits ein Verlust von 20 Prozent, zum Beispiel durch Verbrennungen, kann zum Tode führen.

V wie voll

Auf einem Quadratzentimeter Lederhaut herrscht größte Vielfalt auf engstem Raum: bis zu 200 Schmerzrezeptoren, 100 Druckrezeptoren, zwölf Kälterezeptoren, zwei Wärmerezeptoren, 100 Schweißdrüsen, 40 Talgdrüsen. Sowie 150 000 Pigmentzellen, 6 000 000 Zellen, vier Metern Nervenfasern und einem Meter Adern.

W wie wässrig

Die Haut besteht aus 13 Prozent Fett, 22 Prozent Eiweiß und Mineralien und – 65 Prozent Wasser. Sie ist der größte Wasserspeicher des Körpers. Ein Drittel der gesamten Flüssigkeit im Körper ist in der Leder- und Unterhaut enthalten.

Z wie zart

Die Oberhaut ist an den Augenlidern nur einen Zwanzigstelmillimeter dick. rcf

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