Berlin : Heimathafen an der Havel

Nach ausgedehnter Weltreise ist das Studenten-Schiff „Walross III“ wieder in Spandau

Martín E. Hiller

Dem Walross wurde ein stattlicher Empfang bereitet. Ein Feuerwehrboot sprühte mit seinen Wasserfontänen einen Regenbogen in den Oktoberhimmel. Und am Steg wartete ein großes Begrüßungskomitee. Natürlich, an der Scharfen Lanke in Spandau hatte sich kein großes Säugetier verirrt. Vielmehr trägt das Ausbildungsschiff des Akademischen Segler-Vereins Berlin (ASV) den Namen „Walross III“. Und das ist am Freitag in seinen Heimathafen in Spandau zurückgekehrt. Nach anderthalb Jahren auf See.

Vom Steg des ASV liefen zur Begrüßung zwei Boote aus, auf denen sich Vertreter des Vereins, der Feuersozietät und der „Interessengemeinschaft Friedrichstraße“ zum Willkommensgruß versammelten. Die beiden Letztgenannten hatten die Yacht vom Kaliber Swan 55 auf ihrer langen Reise gesponsert und waren sehr zufrieden mit dem Ergebnis. „Walross III“ war nämlich nicht nur unterwegs, um den acht Studenten unter den zehn Crewmitgliedern erstmals eine monatelange Schiffsreise zu bieten: Neben diversen kleinen Regatten bestritt es auch die „Daimler Chrysler North Atlantic Challenge“, ein Rennen über 3800 Meilen von Newport, nördlich von New York gelegen, über den Atlantischen Ozean nach Cuxhaven. All die Kreuzfahrten in den Monaten zuvor hatte die Crew eher als Aufwärmphase empfunden. „Endlich geht es los“, dachte sich Max Reichhart beim Startschuss in Newport. Er war der Wachführer auf „Walross III“, also eine Art Koordinator auf dem Schiff.

Und wie es losging: Im Nordatlantik, wo der Wind scharf über das Deck pfeift und der Begriff „gefühlte Temperatur“ eine ganz neue Qualität erhält, „sind wir gar nicht mehr aus unserer Ski-Unterwäsche herausgekommen“, erzählt Skipper Burkhart Zipfel. Als ein Vormast im Sturm Schaden nahm, mussten seine Studenten improvisieren und den Schaden ohne passende Ersatzteile reparieren.

Schließlich erreichte „Walross III“ nach 21 Tagen und 21 Stunden auf See das Ziel als Siebter, gemäß den Regeln des International Measurement Systems (IMS), das die Konkurrenten in baugleiche Schiffe einteilt. Zudem gewannen die Berliner den Oscar-von-Holtzapfel-Preis für die beste Yacht mit einem Anteil von mindestens 50 Prozent der Crew unter 25 Jahren. Beide Platzierungen sind sehr respektabel, zumal das Boot immerhin 31 Jahre alt ist. Das unerwartet gute Resultat erklärt sich auch aus der Tatsache, dass Kooperation und Zusammenleben der teils mehr, teils weniger erfahrenen Segler an Bord des 16 Meter langen Bootes ausgezeichnet funktioniert haben. „Ich bin einfach schwer begeistert“, sagt Skipper Zipfel über seine Leute. Burkhart Zipfel, Chirurg am Herzzentrum Berlin, ist der „alte Herr“ der 1886 gegründeten Studentenvereinigung ASV, die traditionsbewusst ist, aber im Gegensatz zu manch anderer Verbindung nichts mit allzu rigoros angewandten Traditionen am Hut hat. Schon seit den Siebzigerjahren werden auch Frauen aufgenommen.

Dementsprechend wohl fühlte sich Veronika Höring, ASV-Mitglied und der Regatta-Crew, die auch nach Monaten auf See nicht genug von ihren zumeist männlichen Kameraden oder gar vom Wasser bekommen hat – im Gegenteil: „Davon wird man süchtig“, sagte die Architekturstudentin über die Fahrten mit dem Walross.

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