Berlin : Heinrich-Heine-Buchhandlung schließt in Mitte

Lina Kokaly
Letzter Akt.
Letzter Akt.

Die Stadt verliert zum Monatsende eine weitere Buchhandlung mit großer Tradition. Die Heinrich-Heine-Buchhandlung nahe Rosenthaler Platz muss schließen. Am Sonnabend öffnen die Inhaber Margrit Starick und Gerd Gerlach zum letzten Mal die Türen für ihre Kunden. Bis zum 30. September muss das Ehepaar das Geschäft räumen. Die unbegründete Kündigung kam für die beiden überraschend. Nun wird dort vermutlich ein Bekleidungsladen eröffnen, der wesentlich mehr Miete zahlt.

Seit 65 Jahren gehört die Heinrich-Heine-Buchhandlung zum Kiez. Nach der Wiedervereinigung vor 20 Jahren übernahm Margrit Starick den Laden, der auf Literatur, Kriminalromane und Kinderbücher spezialisiert ist. 2008 war das Ehepaar schon einmal gezwungen umzuziehen: Die Miete sollte sich mehr als verdoppeln. Allerdings fand das Paar nur wenige Meter weiter am Weinbergsweg 3 einen neuen Standort für ihre Filiale. Doch auch dieser ist nun nicht mehr zu halten: „Durch die enormen Baumaßnahmen verändert sich der Kiez hier zurzeit in einer Schnelligkeit, wie ich es noch nicht erlebt habe. Ich denke, jetzt wird sich auch die soziale Mischung hier neu zusammensetzen“, sagt Gerd Gerlach, dem die Wut deutlich anzumerken ist. Laufend beteuerten ihm Stammkunden ihr Bedauern über die Schließung.

Nachdem zunächst die großen Ketten wie Thalia und Hugendubel eine ernste Konkurrenz für die kleinen Buchhandlungen darstellten, werden nun auch die großen Namen von den wachsenden Mieten eingeholt. Im nächsten Jahr muss Hugendubel seine Filiale in der Tauentzienstraße verkleinern. Der stationäre Handel konkurriert gegen die Internetanbieter. Dabei besorgt jede Berliner Buchhandlung nahezu jedes Buch zum festen Preis, meist schon zum nächsten Tag.

Dennoch geht es dem Berliner Buchhandel im Ganzen nicht schlecht: „Wir haben hier 292 Buchhandlungen. Mit dieser enormen Dichte und Vielfalt steht Berlin gut da“, sagt Johanna Hahn vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels Berlin-Brandenburg, „aber die steigenden Mieten stellen natürlich ein Problem dar. Wenn der Vermieter abwägt, haben Buchhandlungen meist das Nachsehen.“ In den letzten zwei Jahren wurden allerdings mehr neue Buchgeschäfte eröffnet als alte geschlossen. Gerlach und seine Frau widmen sich in Zukunft verstärkt ihren beiden weiteren Filialen in Schmargendorf und Eberswalde. Lina Kokaly

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