Berlin : Heinz Minki

Frank Jansen

Manche Barbesitzer wollen ihre Gäste foppen. Zum Beispiel mit seltsamen Namen, die Rätselraten erzwingen. Nehmen wir dieses kleine Lokal in einem alten Backsteingebäude an der Grenze von Kreuzberg zu Treptow. An der Fassade steht „Heinz Minki“. Aha. Wer war das noch gleich? Ein glorreicher Kommunistenführer (wegen der unmittelbaren Nähe zur ehemaligen „Hauptstadt der DDR“)? Ein berüchtigter streetfighter (das Lokal ist der östliche Außenposten des wildesten Viertels von Kreuzberg, früher schlicht „SO 36“ genannt)? Oder gibt es Heinz Minki noch und er will seine alkophile Existenz gewinnbringend vermarkten? Drinking man und compañera waren schlicht überfragt. Da half nur eines: Beinharte Lokalrecherche.

Die Bar steckt in dem früheren Schleusenwärterhaus nahe der Mündung des Landwehrkanals in die Spree. Tritt man durch die Tür, ist auch fast schon der Raum durchschritten – „Heinz Minki“ ist eine der kleineren Schänken in Berlin. Erstaunlicherweise bleibt genug Platz für einen Kicker, der an drei Seiten von luftigen Vorhängen gesäumt wird. Es folgen drei kleine Holztische und eine plastikglänzende Sitzecke mit einem Tischchen in angedeutetem Nierendesign. Der Tresen ist kaum mehr als ein cremeweißer Korpus mit braunen Querstreben. Da fügt es sich, dass die Getränkekarte nur die notwendige Grundausstattung anbietet. Immerhin ist eine Handvoll Cocktails vermerkt. Der Keeper schaute allerdings etwas irritiert, als die neuen Gäste kein Bier orderten. Er brachte dennoch willig einen Planter’s Punch in ansprechender Güte und einen Margarita, dem es leider am nötigen Dekor mangelte: der Salzrand fehlte. Dann kam ein Gimlet, der trüb in einem kleinen Whiskyglas schwamm. Auf die Bitte nach Nüsschen reagierte der Keeper mit dem lakonischen Griff zum Nebentisch. Dort stand noch ein halbvolles Glas. Mehr Nüsschen gab es nicht.

Vielleicht ist Heinz Minki einfach nur ein Misanthrop, der in seiner Bar auch noch gerne afrikanischen Pop sowie Punkrock hört. Aber dann war doch alles ganz anders. Der Keeper taute nämlich auf die Frage nach dem mysteriösen Minki Heinz auf und erzählte, in dem Haus hätten früher ein Heinz und eine Minki als Paar gelebt. So wie heute Bärbel und Charly (der drinking man ist sich allerdings nicht mehr ganz sicher, ob es nicht doch eine Biene und ein Charly waren). Na gut. Als Namenspate ist ein bodenständiges Pärchen schon netter als ein oller Stalinist oder ein durchgeknallter Steinewerfer.

Heinz Minki, Vor dem Schlesischen Tor 3, Kreuzberg, Tel.: 69 53 37 66, montags bis samstags ab 19 Uhr, sonntags ab 11 Uhr, mit Frühstück

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