Berlin : Heiße Hirne

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber staunt

über Berliner Extremdenker

Hauptsache, es kracht: Da hat sich ein FDPAbgeordneter im „Untersuchungsausschuss Bankgesellschaft“ richtig geärgert über das Unternehmen. Die prozessiere gegen ehemalige Mitarbeiter, verliere vor den Arbeitsgerichten, lehne aber Vergleiche ab. „Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Justiz und Anwaltskanzleien“ seien das, schimpft der FDP-Mann, bezahlt mit dem Geld der Bank, also mit dem Geld der Steuerzahler. Mag sein, dass sich der FDP-Mann zu Recht über die Bankgesellschaft und deren Umgang mit Geld ärgert. Doch hat er seine Erklärung mit dem Wort „Schauprozesse“ überschrieben und damit die Frage aufgeworfen, ob er auffallen oder ernst genommen werden will.

Überhaupt müssen wir uns fragen, ob Berlin noch im freien Westen liegt. Ein Mitarbeiter der Finanzverwaltung sieht uns längst im verarmten Süden. Deshalb hat er eine Studie verfasst, die der Stadt den Weg aus dem Schuldenkrise weist: Ein Insolvenzverfahren, wie es Drittweltländer durchlaufen, führt zum Bankrott – und zur Entschuldung. Die Banken – die Globalisierungskritiker von Attac lassen grüßen – müssten auf ihre Forderungen verzichten. (Seite 8) Erstaunlich, zu welchen Höhenflügen der eine oder andere Finanzbeamte zeitlich und gedanklich in der Lage ist. Er kommt aber ein bisschen spät. Berlin wird nämlich privatisiert. Fast fertig ist der Vertrag mit Disney.

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