Berlin : Heu mit Zitrone

Andere Länder, andere Sitten: Christliche Weihnachtsbräuche aus aller Welt

Daniela Martens

Eine festlich verpackte Krawatte, Gänsebraten und Lametta: O du fröhliche, o du deutsche Weihnachtszeit, alle Jahre wieder in den Wohnzimmern des Landes zu besichtigen. Doch Weihnachten bedeutet auch, fremde Bräuche und Länder kennenzulernen. Kamen nicht die ersten Besucher des Jesuskindes aus dem fernen Morgenland und brachten exotische Kostbarkeiten als Geschenke mit? Wer es ihnen nachmachen will, findet die passenden Zutaten für ein etwas anderes Weihnachtsfest zum Beispiel auf dem Markt der Kontinente in den Museen Dahlem (Lansstraße 8, sonnabends und sonntags von 11 bis 19 Uhr, Infos unter 030/8301438, Eintritt 3/6 Euro). Handgewebte Stoffe aus Afrika gibt es dort, Schmuck aus Indien, Spielzeug aus Mexiko, Hängematten aus Brasilien. Warum nicht mal die rund 40 Händler nach Weihnachten in den Ländern fragen, aus denen ihre Waren kommen? Und vielleicht mit einem der fremden Bräuche das deutsche Ritual auflockern? Wenn auch wahrscheinlich nicht unbedingt mit der kenianischen Sitte, am 25. Dezember frühmorgens eine Ziege für das Weihnachtsmahl zu schlachten. Mexiko könnte schon eher als Vorbild dienen. Dort zerschlagen Kinder mit verbundenen Augen sogenannte Pinatas, bunte Tongefäße voller Früchte und Süßigkeiten. In christlichen indischen Familien bekommt das Familienoberhaupt ein besonderes Geschenk: eine Zitrone als Symbol für Glück und Erfolg – keine schlechte Alternative zur Krawatte. In Polen wird am Heiligen Abend bis zum Festmahl gefastet, und das Christkind kommt auf einem Esel aus dem Himmel. Deshalb legen die Kinder Heu unter den Weihnachtsbaum.

Auch Angehörige anderer Religionen stehen dem Fest nicht ganz fern. Im Koran kommt die Weihnachtsgeschichte vor. Und das jüdische Chanukka, das achttägige Lichterfest, das in diesem Jahr vom 5. bis 12. Dezember gefeiert wird, rückt manchmal in die Nähe des christlichen Festes, sodass sich die Bräuche vermischen. Das nennt man – nicht ganz ernsthaft – „Weihnukka“. Alles rund ums Lichterfest und natürlich auch Weihnachtsgeschenke findet man auf dem Chanukka-Markt im Jüdischen Museum (bis 31. Dezember, täglich 12-18 Uhr, Lindenstraße 9-14, geschlossen am 24. Dezember; Eintritt frei). Zum Beispiel werden dort Dreidel verkauft: Kreisel, mit denen Kinder zu Chanukka spielen. Vielleicht hat ja schon ein kleiner jüdischer Junge namens Jesus damit gespielt. Daniela Martens

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