Berlin : Hier spielt die Musik – MTV zieht nach Berlin

Neue Zentrale am Osthafen für alle Mitarbeiter aus London, Hamburg und München

Sabine Beikler/Matthias Oloew

Erst Coca Cola, jetzt MTV: Der rot-rote Senat darf sich über den Umzug eines weiteren amerikanischen Unternehmens nach Berlin freuen. Der Musiksender MTV hat am Montagnachmittag entschieden, seinen deutschen Firmensitz nach Berlin zu verlegen. Anfang 2004 soll der Umzug beginnen, sagt Unternehmenssprecherin Verena Adami dem Tagesspiegel. MTV zieht in die ehemaligen Behala-Hallen am Ostbahnhof in Friedrichshain und wird damit direkter Nachbar der Plattenfirma Universal, die Anfang dieses Jahres von Hamburg an die Oberbaumbrücke zog. Die Entscheidung für Berlin gab Senderchefin Catherine Mühlemann gestern um 16 Uhr auf einer Mitarbeiterversammlung in München bekannt. „Wir hoffen, dass möglichst viele Kollegen mit umziehen werden“, sagt Adami.

Wichtigster Grund für den Umzug sei, dass MTV langfristig Geld sparen möchte. Derzeit sind die 115 Mitarbeiter von MTV Deutschland auf vier Standorte verteilt: München, Hamburg, London und Berlin. Sprecherin Adami: „Das ist sehr teuer und es entstehen sehr viele Kommunikationsverluste.“ Schneller und vor allem direkter sollen die Arbeitswege werden. Ebenso entscheidend aber sei für MTV auch, dass wichtige Werbe- und Kooperationspartner bereits jetzt in Berlin sind. Neben Universal sind dies vor allem Sony-Music und Teile von BMG sowie kleinere Label. Auch die deutsche Phono-Akademie will an die Spree ziehen, und Werbepartner Coca Cola kommt ja jetzt auch.

„Wir versprechen uns viel von der bunten, kreativen Szene in der Stadt und hoffen auf Wachstumsperspektiven für MTV in Berlin“, sagt Adami. Subventionen seien für den Umzug „nicht maßgeblich“ gewesen. Der Senat hatte Universal einst den Standort Berlin mit Fördermitteln aus dem EU-Topf schmackhaft gemacht.

20 MTV-Kollegen arbeiten bereits in Berlin. Hier werden die Live-Shows „MTV Select“ und „Unter Ulmen“ produziert. Wenn künftig nicht nur die Sendeleitung, sondern auch die Technik von MTV an einem Ort gebündelt ist, können die Kosten für Kamerateams gedrückt werden. Der Umzug soll aber nicht dazu genutzt werden, Mitarbeitern zu kündigen.

Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) wertet den Umzug von MTV als weiteres Zeichen dafür, dass sich „Berlin zur Musikhauptstadt Deutschlands entwickelt“. Die Ansiedlung der großen Unternehmen und der Zuzug vieler kleiner Labels wie „Four Music“ (Die Fantastischen Vier) bestätige die Strategie des Senats, Musik nicht nur als Unterhaltung, sondern auch als Wirtschaftszweig zu sehen.

„Berlin ist eine kreative und vitale Stadt. Die MTV-Mitarbeiter werden sich hier wohlfühlen", sagt Wolf. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) werde in den nächsten Tagen während seiner Reise nach New York den MTV-Network-Chef treffen.

Dem Vernehmen nach will das Unternehmen einen „einstelligen Millionenbetrag“ für den Umbau des Lagerhauses 1 der Behala am Osthafen investieren.

An den langen Verhandlungen mit MTV waren Wowereit, der Medienbeauftragte Bernd Schiphorst, die Wirtschaftsförderung Berlin GmbH und die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen beteiligt. Wer letztlich ausschlaggebend war – ob Wolf-Vorgänger Gregor Gysi (PDS), Juliane Freifrau von Friesen (Grüne) oder Wolfgang Branoner (CDU) – bleibt vorerst offen. Wolf-Sprecher Christoph Lang drückt es so aus: „Wohlgeratene Projekte haben viele Väter.“

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