Hildegard Krieger ist tot : Möbeldynastie in Berlin verliert ihre Seniorchefin

Gemeinsam mit ihrem Mann hatte Hildegard Krieger in Berlin eine Dynastie aufgebaut: Möbel-Krieger. Am vergangenen Dienstag ist sie im Alter von 92 Jahren gestorben.

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Ältere Berliner erinnern sich sofort. „Das heißt nicht Krieja!“, sagt der Vater zu seinem Sohn, „das heißt Möbel-Krieger“. Handgestrickte Fernsehwerbung vor 50 Jahren, altmodisch, durchschlagskräftig genug, um einen Namen in der Stadt dauerhaft zu etablieren. Hildegard Krieger, die den Betrieb mit ihrem Mann Wilhelm aufgebaut hatte, ist am vergangenen Dienstag gestorben, im Alter von 92 Jahren.

Möbel-Krieger – das waren Wilhelm Krieger junior und seine Frau Hildegard, die er 1947 heiratete. Die Stadt lag in Trümmern, der Bedarf an allem war gewaltig. Krieger hatte von seinem Vater Wilhelm senior dessen 1910 in Moabit gegründete Tischlerei übernommen und begann nach dem Krieg, selbst Möbel zu produzieren. Er kümmerte sich um den Aufbau der Fabrikation, sie regelte den Verkauf und das Geschäftliche – ein typisches Unternehmerpaar der Nachkriegszeit.

Als die Blockade 1949 endete, bekam die Firma vor allem von Behörden viele Aufträge, stattete auch die britische Verwaltung aus. Hildegard Krieger begleitete Lieferfuhren und kümmerte sich ums Personal. Eine Geschichte aus dieser Zeit geht so, dass eine Sekretärin ihr dringend riet, ein eigenes Konto zu eröffnen, denn sonst stecke ihr Mann alles in seine Neubauten. Einer davon war eine Filiale in der Gotzkowskystraße, ein weiterer das 1958 eröffnete neue Stammhaus in der Genthiner Straße, schräg gegenüber dem Dauerkonkurrenten Möbel Hübner.

Hildegard Krieger verfolgte wach bis ins hohe Alter den Aufstieg der Möbeldynastie, war häufig unterwegs im Betrieb ihrer Enkelin Sonja, der als „Kriegerhome“ allein noch den Familiennamen führt. Aus dem aktiven Geschäft hatte sie sich aber schon früh zurückgezogen, als sie in den 60er Jahren schwer erkrankte. Ihr Mann holte den damals erst 21 Jahre alten Sohn Kurt ins Unternehmen, der heute mit Höffner, Möbel Kraft und Sconto SB der nach Ikea größte deutsche Möbelhändler ist. Wilhelm Krieger starb im Jahr 2000, 86 Jahre alt. Vorher hatte er seiner Frau noch das Angeln beigebracht. Hildegards Beisetzung findet am Freitag statt.

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