Hilfe für Afrika : Vom Dokumentar zum Dorfchef

TV-Journalist Ingo Lenz lebte in der Wohlstandswelt. Jetzt widmet er sich Waisenkindern in Tansania.

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Ersatzvater. Ingo Lenz mit einem der Kinder im Waisenhaus Mbigili. Foto: privat
Ersatzvater. Ingo Lenz mit einem der Kinder im Waisenhaus Mbigili. Foto: privat

Niemand hatte Ingo Lenz jemals gesagt, dass er gut mit Kindern kann. Der Single lebte in einer glitzerigen Welt, arbeitete für Spiegel-TV und die Talkshow Boulevard Bio. Vor fünf Jahren hat der Fernsehjournalist sein Leben grundlegend geändert, wechselte vom Hauptstadtleben mit Stars und Promis „in die Sandkiste am anderen Ende der Welt“. Nach Afrika.

Eigentlich sollte er nur einen Kontakt machen mit Ursula Lettgen, die ein Waisenhaus gegründet hatte in Tansania. Mit ihrem Talkshowauftritt klappte es aus terminlichen Gründen nie, aber irgendwann bat sie ihn, eine DVD zu machen über ihr Waisenhaus. Das war 2004, und er war schwer beeindruckt von ihrer Arbeit. Als er 2008 erneut für Dreharbeiten in das Dorf Mbigili kam, entschied er sich zu bleiben.

Ursula Lettgen spürte damals bereits ihre Kräfte schwinden. 2010 übernahm er nach dem Tod der Gründerin die Leitung des Dorfs mit 26 Mitarbeitern. „Die Entscheidung, die Verantwortung für die Kinder zu übernehmen, dauerte nur eine Sekunde“, sagt er. Seitdem verbringt er die Hälfte des Jahres in Tansania und kümmert sich in Deutschland darum, dass genug Spenden hereinkommen.

Im „Amano Orphans Home Mbigili“ leben 65 Kinder, vor allem Aidswaisen. In der Region Iringa im südlichen Hochland in Tansania sind fast alle Menschen zwischen 20 und 40 Jahren tot, die Aids-Rate liegt bei bis zu 40 Prozent.

Es gibt aber Ausnahmen. Meshak Kasengale fiel Ingo Lenz in einer Kirche auf, „weil er so krank aussah“. Er fand heraus, dass Meshaks Vater ein Wilderer ist, der mit zwei Frauen und 15 Kindern im Wald lebt. Im Alter von sieben Jahren wurde Meshak als Kuhhirte an einen Bauern verkauft. Da sein Zwillingsbruder bei der Geburt gestorben war, hatten ihn die Eltern „Huzumi“ genannt, das heißt „Unglück“. Vier Jahre lang lebte er mit den Kühen im Stall. Nachdem er Aufnahme in dem Kinderdorf fand, lernte er, mit anderen Kindern Kontakt zu haben. Im Alter von 13 Jahren geht er nun in die zweite Klasse der Grundschule und ist, wie Ingo Lenz berichtet, über die unerwartete Wendung in seinem Leben überaus glücklich.

Wie alt Maria Franco ist, weiß keiner, man schätzt, dass sie vor etwa neun Jahren geboren wurde. Lange lebte sie mit ihrer inzwischen verschollenen Mutter obdachlos auf der Straße vom Betteln. Auch dieses offenbar nicht ganz leicht zu führende Kind geht in die zweite Klasse und macht Fortschritte in der Entwicklung.

Im Rahmen eines „Home Based Care Projekts“ werden 50 Familien mit 70 Kindern unterstützt mit Sachspenden oder Schulgeld! So kann sich zum Beispiel noch eine ältere Schwester um die verwaisten Kinder kümmern. Außerdem gibt es noch einen Kindergarten für 80 Kinder. Der inzwischen 46-Jährige Ingo Lenz ist stolz darauf, dass schon 15 Kinder in weiterführende Schulen geschickt werden konnten, die sich dort normalerweise niemand leisten kann.

Unterstützer fand er in der gemeinnützigen Berliner GmbH „Charity at“ um Club-Legende „Cookie“ Heinz Gindullis und den Unternehmer Thomas-Marco Steinle; so bekam das Projekt unter anderem einen Tiefbrunnen, Stromleitungen und einen Pick-up-Truck. Am heutigen Donnerstag gibt es ein ausverkauftes Charity-Dinner im Cookies Cream, am Freitag ab 18 Uhr eine Charity-Aktion in der Galerie F37 an der Fasanenstraße 37 in Wilmersdorf, wo Fotos von Lenz versteigert und verkauft werden.

Informationen im Internet:
www.charityat.com

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