Hilfe für die Charité : Virchows Rückkehr

Die Charité war einst Weltspitze – wie kann sie wieder ganz nach oben kommen? Bundesförderung könnte helfen.

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Rudolf Virchow.
Rudolf Virchow.Foto: Lithografie v. Engelbach. Quelle: Wikipedia

Rudolf Virchow, Ferdinand Sauerbruch, Paul Ehrlich und viele andere mehr: die Liste der legendären Wissenschaftler und Ärzte der Charité ist lang. Der Name der vor mehr als 300 Jahren gegründeten Klinik hat international noch immer einen sehr guten Klang. Aber die Sache hat einen Schönheitsfehler. Die Zeit der legendären Charité-Forscher und Nobelpreisträger ist vorerst vorbei. Die moderne medizinische Spitzenforschung wird von den amerikanischen Eliteuniversitäten dominiert, angeführt von der Harvard Medical School in Boston. Wer heute in der Medizin etwas bewegen will, der tut gut daran, an die Spitzenhochschulen der USA zu pilgern – so, wie vor 100 Jahren Deutschland das Ziel aufstrebender Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt war.

Ein Grund für die Spitzenstellung Amerikas in der Medizinforschung liegt auf der Hand: Geld. Hochschulen wie Harvard verfügen über ein gewaltiges Stiftungskapital, verlangen horrende Studiengebühren und werben reichlich Fördermittel ein. Sie können es sich leisten, die besten Köpfe einzukaufen. Und sie sind dazu imstande, rasch und in großem Stil auf neue Entwicklungen wie die Erbgutentzifferung und die Stammzellforschung zu reagieren. Bundesförderung, wie jetzt bei der Charité vorgeschlagen, könnte bei der Aufholjagd helfen. Es ist kein Zufall, dass die beste Hochschule des europäischen Kontinents die ETH Zürich ist – eine vom Schweizer Staat großzügig unterstützte Bundeseinrichtung.

In internationalen Ranglisten schneiden deutsche Hochschulen meist nur mittelmäßig ab. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ein Großteil der herausragenden natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschung nicht mehr an Universitäten stattfindet. Das deutsche Wissenschaftssystem ist zersplittert, kaum durchschaubar.

Seit Jahren versucht die Bundespolitik, wieder zusammenzufügen, was früher zusammengehörte – Forschung und Hochschule. Ein gutes Beispiel dafür könnte ein engeres Zusammenspiel zwischen dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch und der Charité sein. Das Delbrück-Centrum liegt auf den Gebieten Molekularbiologie und Genetik weltweit auf Platz 14, als einziges deutsches Zentrum unter den ersten 20. Wenn es sich mit der Charité zusammenschließen würde, wäre allen geholfen: Wissenschaft und Medizin, den Patienten – und Berlin.Hartmut Wewetzer

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