Hilfe für Kinderheime : Liebesgrüße nach Kirgistan

Berlinerinnen haben Kinderheime in dem zentralasiatischen Land besucht – und den Verein „Uplift – Aufwind“ gegründet. Sie unterstützen auch die Eltern.

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Aktiv für Kinder. Natalia Yatsenko, Maren Ernst und Nazgul Suleimanova.
Aktiv für Kinder. Natalia Yatsenko, Maren Ernst und Nazgul Suleimanova.Foto: DAVIDS

Kinder, die ihr Leben lang im Bett liegen müssen, noch mit 16 nichts anderes kennen. Kinder, die an ihre Stühlchen festgebunden sind, damit sie nicht toben können. Kinder, die nie ein Mensch berührt, außer zum Windelnwechseln und zum Füttern.

Wenn in Kirgistan eine Mutter ein behindertes Kind zu Welt bringt, eines mit Down-Syndrom oder Gaumenspalte zum Beispiel, hat sie oft gar keine andere Wahl, als es in ein Heim zu geben. Aber gar nicht aus Hartherzigkeit, sondern weil die Mütter mitunter hoffen, dass es den Kindern im Heim besser geht. Doch in der Realität sind die Verhältnisse oft schrecklich, weil sich niemand so recht um die Kinder sorgt. Seit fünf Jahren kümmert sich nun eine Gruppe Berliner Frauen darum, dass es diesen Kindern besser geht. Maren Ernst, die Vorsitzende, kam zuerst 1992 nach Kirgistan, um Linguistik und Slawistik zu studieren. Sie knüpfte viele Freundschaften und kehrte 1995/96 als Sprachassistentin für den DAAD zurück. Zwei Dinge beeindruckten sie: die unvorstellbare Armut und der positive Umgang der Menschen damit sowie das großartige Improvisationstalent der Frauen. Sie teilte sich damals die Wohnung mit einer Freundin, die Sozialarbeiterin war. Die Abende verbrachten die beiden meist gemeinsam am Telefon mit dem Lösen von Problemen. „Ich fand es toll, wie viel sich bewältigen ließ mit sehr einfachen Mitteln, ganz unbürokratisch und mit Sinn und Verstand“, erinnert sich Maren Ernst heute.

Durch eine andere Deutsche, Alexandra Walz, kam sie erstmals in ein Waisenhaus, war berührt von den teils grausamen Zuständen dort.

Nusscreme kostet in dem Land ein Monatsgehalt

Um die Armut zu beschreiben, die damals dort herrschte, wählt sie ein Beispiel aus eigenem Erleben. An einem Kiosk entdeckte sie Aldi-Nusscreme zum Preis eines kirgisischen Monatsgehalts. Sie kaufte das Glas, weil ihr Zucker so fehlte, und verbarg es unter dem Mantel wie einen Schatz, aus Angst, jemand könne es ihr aus der Hand reißen. Alexandra Walz war bald überzeugt davon, dass den Heimkindern geholfen werden könne. Mit Babymassagen könnte man sie in ihrer Entwicklung befördern, vielleicht sogar so weit bringen, dass sie irgendwann adoptiert werden würden. Denn auch in Kirgistan gibt es viele Menschen, die Kinder adoptieren wollen.

Das Projekt „Babymassage“ war großen Organisationen wie Unicef viel zu klein, sie fand einfach keinen Träger dafür. Im Jahr 2007 gründete sie den Verein Uplift. Dessen Symbol ist ein frei fliegender Drache, der Fröhlichkeit symbolisiert. Fröhlichkeit, die eigentlich selbstverständlich sein sollte für die Kinder.

Sie suchen Ehrenamtliche und schieben Adotionen an

Der Verein hat in der Kirgisischen Republik Strukturen geschaffen, um diesen Kindern zu helfen und Ehrenamtliche zu gewinnen in dem Land mit rund 5,5 Millionen Einwohnern in Zentralasien, das im Norden an Kasachstan, im Südosten an China, im Süden an Tadschikistan und im Westen an Usbekistan grenzt. Bei der Arbeit gibt es Erfolge und Rückschläge, manchmal beides auf einmal. Eine Näherin wollte ein Mädchen mit Down-Syndrom adoptieren. Sie war ehrenamtlich als Babymasseurin für den Verein im Einsatz und hat dem Kind sogar Kleider genäht. „Meine Prinzessin“ nannte sie es. Mit vier Jahren müssen die Kinder das Heim verlassen und kommen in ein anderes. Die Frau hatte nicht schnell genug alle Papiere für die Adoption beisammen. Als es so weit war, kam die Nachricht, dass das Kind in dem anderen Heim gestorben war, vielleicht an mangelnder Zuwendung.

Andere Kinder leben. Ein Junge mit Herzfehler konnte in der Schweiz operiert werden und fand Adoptiveltern, andere konnten zurück zu ihren Eltern.

Ärzte operieren Kinder - ohne dafür etwas zu verlangen

Nazgul Suleimanova, die örtliche Projektleiterin in der Hauptstadt Bischkek, fand Ärzte, die drei Kindern gratis die Lippen- und Gaumenspalten wegoperierten. Gerade erst haben sich zwei Schweizer Physiotherapeuten gemeldet, um in Kirgistan weitere Therapeuten auszubilden. Es fehlt an Geld und Mitteln, die ärztliche Versorgung liegt weit unter europäischen Standards und oft können die Menschen die Behandlung auch nicht bezahlen.

Schlimm sei es für die Kinder, die erst spät ins Heim kämen, sagt Natalia Yatsenko. Ein Junge verlor seine Eltern bei einem Autounfall, blieb allein und gelähmt zurück. Wenn es möglich ist, hilft der Verein Eltern, dass sie ihre Kinder bei sich behalten können, zum Beispiel mit einer Erstausstattung für Babys. „Wir hören ganz viel zu“, sagt Nazgul Suleimanova. „Das sind die Frauen bei uns sonst gar nicht gewöhnt.“ Als sie zuerst in den Heimen unterwegs war, wirkten die Kinder zum Teil debil. „Heute sprechen, laufen, schreien sie, wie ganz normale Kinder eben“, sagt Maren Ernst. Und Suleimanova erzählt von dem Kleinkind, das ihr entgegenspringt, wenn sie sich über das Bett beugt, weil es sich freut, sie zu sehen.

Uplift – Aufwind e. V., Caspar-TheyssStraße 20, 14193 Berlin, Internet: www.uplift-aufwind.org.

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