Hindu-Tempel : Das Rennen der Gottesbrüder

Die Berliner Hindus haben Grund zur Freude. In Neukölln entstehen gleich zwei Tempel für die Gottheiten Murugan und Ganesha. Noch ist offen, welches Haus zuerst Eröffnung feiert.

Matthias Jekosch
Hindu-Tempel
Britz erhält auch einen Hindu-Tempel. Das Bezirksamt gab grünes Licht. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Seit dem 31. Januar steht fest: Ein zweiter Hindu-Tempel wird in Neukölln gebaut. Der Verein Berlin Hindu Mahasabhai e.V. hat einen positiven Bauvorbescheid vom Bezirksamt bekommen. Der Verein will bereits im Mai mit dem Bau beginnen und ihn 2009 abschließen.

Tempelbau wird über Spenden finanziert

Ein Priester in Purpur, Grün und Orange leitet die Vorstellung der Pläne am Donnerstagabend mit einem gesungenen Gebet ein. Er bringt Murugan Obst, Gebäck und Blumen als Opfer dar. Räucherstäbchen füllen die Luft mit ihrem Rauch. Murugan soll in Zukunft seine Anhänger an der Blaschkoallee Ecke Riesestraße in Britz empfangen.

Ein Kaufvertrag vom Liegenschaftsfonds über 170.000 Euro liegt dem Verein vor. Der Tempelbau soll etwa 600.000 Euro kosten und durch Spenden finanziert werden. Laut Antrag auf Bauvorbescheid soll der Tempel 13 mal 15 Meter groß werden. Ein elf Meter hoher Turm soll die Verbindung zum Himmel symbolisieren. Der Verein will keine Zeit verlieren. „Der Raum, den wir jetzt haben, ist kalt und zu klein“, sagte Nadarajah Thiagarajah. Derzeit beten die 200 Hindus in einem Keller in der Urbanstraße. Der Tempel soll 120 Menschen gleichzeitig Platz bieten.

Jeder Gott hat sein eigenes Haus

Insgesamt gibt es etwa 6000 Hindus in Berlin. Einen richtigen Tempel hatten sie hier bisher nicht. Deutschlandweit gibt es nur einen im westfälischen Hamm. Umso mehr war der 4. November 2007 für sie ein wichtiger Tag. Da tat der Verein Sri Ganesha den symbolischen Spatenstich für seinen neuen Tempel in der Hasenheide. 400 Besucher sollen dort auf 890 Quadratmetern Platz finden. Damit wird der Tempel mehr als viermal so groß wie der in Britz und nach dem in London der zweitgrößte Europas sein. Ein Ort soll laut Verein entstehen für alle Hindus in Berlin. Warum wird also nun ein zweiter Tempel geplant?

„Wir haben sie gefragt, ob sie sich uns anschließen wollen“, sagte Vilwanathan Krishnamurthy von Sri Ganesha. Doch die Anhänger von Murugan wollten ihrem Gott einen eigenen Tempel errichten. Ein Grund ist, dass er vor allem im Süden Indiens und auf Sri Lanka verehrt wird. Die Mitglieder des Vereins kommen aus dieser Region. Doch jede Gottheit wird auch im jeweils anderen Tempel eine Statue bekommen.

SPD begrüßt den Bau der Tempel

Dass beide Tempel in Neukölln entstehen ist eigentlich dem Zufall zu verdanken, doch die Vereinsmitglieder sehen das anders: „Wir glauben, dass sich unser Gott dafür entschieden hat“, sagte Thiagarajah. Argumente für das Grundstück in Britz waren der Kaufpreis, die nahe gelegene U-Bahnstation und die ruhige Lage. In unmittelbarer Nachbarschaft liegt eine Kleingartenkolonie.

Der Bezirk heißt die Hindus willkommen. Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) hatte schon den ersten Tempel und sich im September 2007 bei der Übergabe des Pachtvertrages für das Grundstück mit Turban und Punkt auf der Stirn gezeigt. Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) sagt jetzt zum zweiten Tempel: „Die sollen herkommen. Wir sind ein Multikulti-Bezirk.“ Er wartet nun auf die Bauanträge beider Vereine. Die wollen sie im Frühjahr einreichen.

Krishnamurthy, Anhänger des gemächlichen Ganesha, packt kurz vor Baubeginn der Ehrgeiz: „Dann geht der Bruderkampf los: Wer wird schneller sein?“

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