Berlin : Hinter den Kulissen: Berlins Politiker philosophieren über "Nachwuchs" und mehr

Sabine Beikler

Manchmal haben Berlins Politiker so richtig Freude an Äußerungen des CDU-Generalsekretärs Ingo Schmitt. Diesmal nutzten die SPD-Senatoren Peter Strieder und Klaus Böger eine Pressemitteilung des CDU-Generalsekretärs zum Thema "Rückzug Landowsky und Übergabe des Staffelstabes an den Nachwuchs", um vor der Senatssitzung am Dienstag ganz allgemein über das Wort "Nachwuchs" zu philosophieren. Wer bitte schön gehört zum Nachwuchs, und was macht Nachwuchs aus? Böger und Strieder feixten darüber immer noch, als Senatssprecher Michael-Andreas Butz den Sitzungsraum betrat und sich mit der Frage konfrontiert sah, ob er eine Antwort darauf wisse. "Keine Frage, alles unterhalb des Regierenden Bürgermeisters", sagte Butz. Diese Antwort schien Böger und Strieder nicht wirklich zufrieden zu stellen. Auch Eberhard Diepgen wurde die Frage nach der Definition eines Nachwuchspolitikers gestellt. Der Regierende Bürgermeister betrachtete nachdenklich seinen erfahrenen Stellvertreter: "Herr Böger, da fallen Sie auch noch drunter." Lacher gab es auf beiden Seiten der Koalition. Später drohte der Senatsrunde allerdings doch noch Unfrieden wegen des vom Regierenden Bürgermeister in die Runde mitgebrachten Arbeitsprogramms. Böger und Diepgen trollten sich für zehn Minuten vor die Tür und kamen mit einem Kompromiss wieder zurück. Was die beiden im Dialog über Nachwuchsfragen palavert hatten, bleibt ein Geheimnis.

Post bekam SPD-Fraktionschef Klaus Wowereit von einem SPD-nahen Ehepaar aus Reinickendorf. Das Paar schrieb ihm, der Name "Wowereit" stamme aus dem Litauischen und bedeute "Eichhörnchen". Flugs beeilte sich die SPD-Fraktion, die Charakteristika des niedlichen Baumbewohners zusammenzustellen. Ein Eichhörnchen ist laut SPD-Auskunft schnell, hat notfalls einen heftigen Biss, kann hervorragend haushalten, legt über die langen Wintermonate ausreichenden Vorrat an und kann blitzschnell in Deckung gehen. Nein, einen Personenkult um den SPD-Fraktionschef wolle man mit dieser Erklärung beileibe nicht betreiben. Wie Pressesprecher Peter Stadtmüller aber erzählt, ist sein Chef seit der Namensdeutung doch sehr nachdenklich, wenn er in seinem Garten in Lichtenrade die "Wowereite" auf die Bäume hoch sausen sieht. Leidet der Spitzenpolitiker jetzt an Höhenangst?

Ein sportliches Duell lieferten sich die Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling und CDU-Finanzsenator Peter Kurth. Beide liefen den Berliner Halbmarathon mit. Im Vergleich siegte Frau Hämmerling mit fast sieben Minuten Vorsprung vor Herrn Kurth. Sie beeilte sich, dem CDU-Politiker ein paar Trainingsstunden anzubieten. Sport ist in der Grünen-Fraktion en vogue: Der Abgeordnete Hartwig Berger trabt auch schon mal während seiner Mittagspause rund ums Abgeordnetenhaus, während sich Verkehrsexperte Michael Cramer und Fraktionschef Wolfgang Wieland lieber aufs Fahrrad setzen. Fraktionschefin Sibyll Klotz mag es dagegen auf andere Art sportlich: Sie spielt Doppelkopf.

Auf das Angebot von Frau Hämmerling reagierte der Finanzsenator sehr verhalten. Er bedauere, dass er bei dem Halbmarathon weit hinter seinen sonstigen Leistungen zurückgelegen habe. Er habe aufgrund der wenigen Freizeit keine Möglichkeit zum Trainieren gehabt. Dass Frau Hämmerling ihn jedoch überrundet hatte, würde "seinen sportlichen Ehrgeiz sicher ganz besonders anstacheln", sagte Kurth-Sprecher Klaus Dittko. Übrigens: Beim Vergleich der beiden Zeiten fällt auf, dass Herr Kurth nach der Zwischenzeit sogar besser platziert war als Claudia Hämmerling. Sprecher Dittko analysierte das schlechtere Abschneiden messerscharf: "Der Herr Senator war im zweiten Teil des Rennens geistig sehr mit der Schieflage der Bankgesellschaft beschäftigt. Das hat leider zur Motivation nicht mehr gereicht." Für bessere Zeiten könnte dem Senator ein Ratgeber helfen, den ihm Mitarbeiter zu seinem 41. Geburtstag geschenkt haben. Es ist ein Buch mit dem tragenden Titel "Die Einsamkeit des Langstreckenläufers."

Ein neuer Herd mit Umluft ist ganz im Sinne der SPD-Fraktion. Als die Mutter von Petra Merkel, parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, kürzlich in eine Seniorenwohnanlage zog, ließen sich Mutter und Tochter ausführlich in puncto Herd beraten. Die ganze Fraktion bangte derweil mit, da Merkels Mutter enorm viel zum leiblichen Wohl der Sozialdemokraten beiträgt. Die SPD-Anhängerin backt regelmäßig ihre heiß begehrten Vanille-Nuss-Kipferl, die ihre Tochter nach getaner Backarbeit in Frischhaltebehältern den Kollegen mitbringt. Das Gebäck steht im Vorzimmer von Frau Merkel und SPD-Fraktionschef Wowereit, der ebenfalls ein begeisterter Hobby-Bäcker ist. Klaus Wowereit versorgt seine Kollegen auch mit Keksen. Die Backwaren des Fraktionschefs haben auch ihre eigenen Anhänger. Sie geraten immer etwas süßer als vom Gros der Fraktion gewünscht. Apropos Vanille-Nuss-Kipferl. Frau Schwoob, die Mutter von Petra Merkel, lässt regelmäßig einen Gruß ausrichten, die SPD möge dies als Anreiz verstehen, das nächste Mal ein besseres Wahlergebnis als 22,4 Prozent zustande zu bringen. Wie man hört, kommen die Kipferl mit Hilfe des neuen Herds jetzt viel schneller zur Fraktion. "Und schmecken tun sie auch viel besser", versichert SPD-Fraktionssprecher Stadtmüller.

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