Berlin : Hinter den Kulissen: Der Regierende auf Asien-Tour

Brigitte Grunert

Bloß keine Pausen und Lücken. Eberhard Diepgen fühlt sich nur wohl, wenn der Terminkalender prall voll ist. Dienst ist Dienst. Zur großen Asien-Tour - mit dem Regierenden hat Senatssprecher Michael-Andreas Butz vorsorglich Schlafpillen eingepackt - wegen der vielen Nachtflüge. Ach, in Peking wollte Diepgen eingentlich einen Einkaufsbummel abzweigen, aber dazu kam er natürlich nicht. Da machte sich sein Büroleiter Frank Henkel auf, ihm ein Paar Joggingschuhe zu besorgen. Derweilen empfing der chinesische Ministerpräsident Zhu Rongji den Regierenden aufs Höflichste: "Mein alter Freund." Er war ja schon mal bei ihm in Berlin. In Shanghai immerhin gehörte ein kleiner Altstadt-Spaziergang zum protokollarischen Programm. Doch was passierte? Diepgen traf einen Mitarbeiter seiner Senatskanzlei, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. So klein ist die Welt. Er konnte dem Mann nur einen schönen Urlaub wünschen. Ob er vor lauter Terminen die Joggingschuhe ausprobieren konnte, ist nicht bekannt. Aber wenn er morgen Abend wieder in Tegel landet, privatisiert er erst einmal ein paar Tage mit seiner Familie zur Erholung von den Anstrengungen - gewissermaßen nachgeholte Ostertage. Inzwischen dürfen sich die Abgeordneten seiner CDU-Fraktion im Streit um die Nachfolge von Klaus Landowsky abreagieren und rätseln, wann es soweit ist. "Immer diese Aufgeregtheiten", pflegt Diepgen zu sagen.

China steht auch auf dem Programm von Bürgermeister Klaus Böger, aber im Kleinen, vor Ort in Berlin. Als der SPD-Mann letzten September in Peking war, hatte er eine so reizende Dolmetscherin, eine Germanistin. Nun studiert Aihua Ching in Berlin am Otto-Suhr-Institut; das zweijährige Stipendium spendierte die Hans-Seidel-Stiftung der CSU. Ehrensache, dass Böger der "alten Freundin" Chung Berlin erklärt. Er hat ja selbst am OSI Politologie studiert und kann ihr auch dazu Tipps geben - demnächst beim Abendessen. Und als Schulsenator empfängt er ganz offiziell eine Delegation aus China im Rahmen der Partnerschaft zwischen einem chinesischen Ausbildungszentrum und dem Oberstufenzentrum für Maschinen- und Fertigungstechnik.

Alles reist in den Osterferien durch die Weltgeschichte, um Kräfte für die nächsten harten Monate zu sammeln. Klaus Landowsky ruht sich von den politischen Strapazen in Österreich aus, sein mutmaßlicher Nachfolger Frank Steffel tankt Kraft in Portugal, SPD-Chef Peter Strieder entspannt sich auf Teneriffa, Strieders Genossin Senatorin Gabriele Schöttler hat sich bei der Frühjahrsbestellung des Gartens in Zehdenick erholt. Nur Klaus Wowereit hielt es für ratsam, am Schalthebel zu bleiben. Kurzerhand sagte der SPD-Fraktionschef kurz vor Ostern eine dreiwöchige Studienreise in die USA auf Einladung der amerikanischen Regierung ab. Warum nur? Na, wegen der knisternden Koalitionsspannungen. Die Beratungen zum Nachtragshaushalt werden politisch nicht leicht, man muss sich gut vorbereiten. Wer die Nummer eins der SPD sein und eines Tages Spitzenkandidat werden will, muss eben fleißig und umsichtig sein. Andererseits: Der Wind der großen weiten Welt wäre auch nicht von Übel. Auch Wowereit wird schon noch die alte politische Regel lernen, dass Krisen in den Ferien eine Auszeit haben.

In der Grünen-Fraktion ging ein Bewerbungsschreiben ein. Ein geübter, zuverlässiger Autofahrer empfahl sich als Chauffeur. Doch unerbittlich bekam der Mann eine Absage. Die Grünen-Fraktionschefs lehnen prinzipiell den Dienstwagen ab, der ihnen zusteht. War schon immer so. Wolfgang Wieland und Sybill-Anka Klotz fahren mit der BVG oder mit dem Fahrrad, notfalls auf Fraktionsspesen mit dem Taxi. "Der Verzicht entlastet den Stadtsäckel um ungefähr 120 000 Mark im Jahr", sagt Fraktionssprecher Matthias Tang stolz. Da haben wir es, die reinste Arbeitsplatzvernichtung. Aber nicht doch. Das lässt Tang nicht auf den Grünen sitzen. Soeben hat die Fraktion eine Sekretärin eingestellt - mit Gehaltszuschuss über ein Arbeitsmarktförderungsprogramm. Rechnen muss man können.

Je mehr Sorgen die CDU hat, um so besser geht es der SPD, na klar. Richtig lieb und locker gehen die Genossen auf einmal miteinander um. Zur geselligen Nachwuchsrunde bat der stellvertretende Landesvorsitzende Andreas Matthae am Mittwochabend: Gemeinschaftsfernsehen des Fußballspiels Bayern München gegen Manchester United. Der Abgeordnete Christian Gaebler, Parteisprecherin Anja Sprogies, Fraktionssprecher Volker Holtfrerich und türkische Jungs von Matthaes Kreuzberger Kicker-Club "Intertang" sollen beim Bier sehr über den Bayern-Sieg gejubelt haben. Strieder war auch so lieb. Von Strieder-Handy zu Sprogies-Handy sandte er der Runde Glückwünsche aus Teneriffa.

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