Berlin : Hinterhof soll Hochhaus weichen

Ab dem Jahr 2010 wird am Breitscheidplatz ein 118 Meter hoher Büro- und Geschäftsturm stehen

Matthias Oloew

Der Hochhaus-Bau am Breitscheidplatz wird immer wahrscheinlicher: Der Senat hat den Bebauungsplan für das Schimmelpfeng-Haus verabschiedet. Wenn demnächst auch das Abgeordnetenhaus zustimmt, wird der achtgeschossige Bau mit der gelben Tagesspiegel-Reklame, der die Kantstraße hinter der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche überspannt, abgerissen. An seiner Stelle ist ein 118 Meter hoher Büro- und Geschäftsturm geplant. Insgesamt sollen drei neue Blöcke entstehen – 230 Millionen Euro will der Frankfurter Immobilienentwickler Casia nach Angaben der Bauverwaltung investieren. 2010 soll alles fertig sein.

Senatsbaudirektor Hans Stimmann, der das Projekt am Dienstag vorstellte, ist optimistisch, dass alles so kommt, wie es jetzt geplant ist. Aus dem Desaster des Zoo-Fensters, einem zweiten Hochhaus, das in unmittelbarer Nähe in den Himmel wachsen sollte, habe der Senat gelernt, so Stimmann. Dem dortigen Bauherrn sprang der Mieter ab, das Grundstück liegt brach. Die Konsequenz hat einen Namen, heißt planungsrechtlich „Vorhabenbezogener Bebauungsplan“ und bedeutet: Das Baurecht gilt nur für das jetzt vorgelegte Projekt. Die Abrissgenehmigung für das ehemals denkmalgeschützte Schimmelpfeng-Haus gibt es erst, wenn die Baugenehmigung für das Hochhaus vorliegt, und die Baugenehmigung wiederum nur, wenn der Investor viel Geld in das Projekt gesteckt hat (Stimmann rechnet in diesem Fall mit 25 Millionen Euro). So viel Geld zahle nur, wer tatsächlich bauen will, glaubt der Senatsbaudirektor. Geht trotzdem etwas schief (wie beim Zoofenster) erlischt das Baurecht. Dann bliebe alles, wie es ist und das Schimmelpfeng-Haus stehen. So schwarz will Stimmann aber nicht sehen.

Abgerissen wird nicht nur das fast leer stehen Brückengebäude, sondern auch die Blöcke rechts und links davon, auch die von Stimmann als „Beate-Uhse-Spitze“ benannte Ecke zwischen Kant- und Hardenbergstraße, in der ein China-Restaurant und ein Sexshop untergebracht sind. Solche Läden soll es in dieser Ecke künftig nicht mehr geben. Die Tage der „Hinterhofsituation“, die entstand, weil das Schimmelpfeng-Haus die Kantstraße vom Breitscheidplatz abschnürte, sind demnach gezählt. Stimmann schwärmt stattdessen von einer „Torsituation“: Vom ICC über die Kantstraße kommend, werde der Blick durch zwei Hochhäuser auf die Gedächtniskirche fallen. Das soll die City-West aufwerten. Der Haken: Das für eine Torsituation benötigte zweite Hochhaus, nämlich das Zoo-Fenster, wird in absehbarer Zeit nicht gebaut. Auch Stimmann weiß nicht, wie’s weiter geht.

Stattdessen müssen sich die Berliner sehr wahrscheinlich verabschieden – vom Blick auf das 1958 errichtete Schimmelpfeng- Haus und seiner gelben Tagesspiegel-Reklame.

Die Entwürfe für das Hochhaus im Internet: www.tagesspiegel.de/berlin .

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